Einsatz von BIM beim Bau des Hotels the niu Mesh

Integrale Zusammenarbeit am Gebäudedatenmodell effektiv nutzen

Das Hotel "the niu Mesh" in Stuttgart hat 144 Zimmer, 110 Long-Stay-Apartments sowie 75 Stellplätze. Es besteht aus einem fünf- und einem sechsgeschossigen Baukörper und wurde ab Leistungsphase 5 (Ausführungsplanung) mit BIM geplant und gebaut.

Stuttgart. – Building Information Management (BIM) ist das Herzstück des digitalen Bauens. Zuerst virtuell und dann real zu bauen macht Bauprojekte effizienter, termin- und kostensicherer. Das ist unter anderem auf die integrale Zusammenarbeit zurückzuführen. BIM ermöglicht allen Projektbeteiligten, sich auf einer gemeinsamen Datenbasis und damit sehr eng abzustimmen. Das zeigte sich auch bei dem Hotel "the niu Mesh", einem Bauprojekt des Bauunternehmens Wolff & Müller und der CIP Architekten.

Wolff & Müller arbeitet seit 2008 mit BIM und hat sukzessive die dafür nötigen Säulen aufgebaut: Daten, Prozesse, Richtlinien und – am wichtigsten – Menschen. Seit Beginn des Jahres betreibt das Stuttgarter Familienunternehmen jedes Hochbauprojekt in der Rohbauphase mit BIM. Bei CIP Architekten ist BIM seit 2015 präsent, sodass auch hier die Büroorganisation und die Planungsschritte bereits auf die neue Methode ausgerichtet waren. Wie genau BIM zum Einsatz kam und welche Vorteile und Herausforderungen diese Methodik mit sich brachte, wird im Folgenden beschrieben.

Das Hotel "the niu Mesh" wurde 2019 in Stuttgart-Fasanenhof ganz in der Nähe des Flughafens eröffnet. Es verfügt über 144 Zimmer und 110 Long-Stay-Apartments sowie 75 Stellplätze. Das Hotel mit einer Bruttogeschossfläche von 9769 m² besteht aus einem fünf- und einem sechsgeschossigen Baukörper. Bauherr ist die Merkur Development Holding GmbH aus Rüsselsheim. Betrieben wird das Hotel von der Hamburger Hotelgruppe Novum Hospitality unter dem Namen "the niu Mesh". Der Namenszusatz "Mesh" bedeutet Draht oder Gitter und soll an die Stuttgarter Fasanerie erinnern, die Namensgeber des Viertels ist und deren Gebäude Anfang des 19. Jahrhunderts unter König Wilhelm I. errichtet wurden. Im "the niu Mesh" finden sich von der Fasanerie inspirierte Accessoires aus feinen Gittern, Federmotiven und Natursteinoptik, die die Gäste mit auf eine ungewöhnliche Reise nehmen sollen. Es ist das 14. Haus, das Novum unter der Marke "the niu" betreibt.

Bojana Bojanic ist Geschäftsführerin bei CIP Architekten.Foto: CIP Architekten

2016 begann die Planung des Neubaus. Die ersten vier Leistungsphasen, von der Grundlagenermittlung bis zur Genehmigungsplanung, bearbeiteten CIP Architekten klassisch anhand von 2D-Plänen. Mit den Fachplanern tauschten sie Daten über PDF- und DWG-Dateien aus. BIM kam dann ab der Ausführungsplanung (Leistungsphase 5) zum Einsatz. Die BIM-Methodik will gut vorbereitet sein. In einem Kick-Off-Meeting konkretisierten Bauunternehmen, Architekten und Fachplaner ihre gemeinsamen Ziele, definierten BIM-Prozesse und -Standards und verabschiedeten den BIM-Abwicklungsplan. Gemeinsam einigte sich das Team auf ein sogenanntes "Big Closed BIM"-Projekt. "Big BIM" steht dabei für die fachübergreifende Zusammenarbeit am virtuellen Modell und "Closed BIM" für die Nutzung derselben Software.

An der Gebäudedatenmodellierung waren verschiedene Fachplaner beteiligt. Architekten und Tragwerksplaner erstellten ein zentrales Modell, auf das alle in Echtzeit Zugriff hatten. Das Team arbeitete dabei parallel, denn jeder hatte im Modell seinen eigenen Arbeitsbereich. Vorab legten die Beteiligten daher genau fest, wer für welche Bauteilmodellierung zuständig war. Zudem konnten aus dem Modell je nach Bedarf Schal- und Architekturpläne abgeleitet werden. Die HLS- und Elektroplaner arbeiteten an einem zweiten Modell, das mit dem Referenzmodell verknüpft war. Der größte Vorteil dabei war, dass Decken- und Wanddurchbrüche automatisch in das zentrale Modell übertragen wurden. Die Darstellung der verknüpften Modelle konnte jederzeit aktualisiert werden. So hatte jeder Beteiligte stets den aktuellen Planungsstand des anderen im Blick. Alle Projektpartner nutzen dieselbe Informationsquelle, das zentrale BIM-Modell, als "Single Source of Truth". Das vereinfachte Abstimmungen und machte so den gesamten Prozess effizienter.

Wolff & Müller hat für die unterschiedlichen Planungs- und Bauphasen sogenannte BIM-Anwendungsfälle definiert. Während der Planung half die modellbasierte Kollisionsprüfung, Überschneidungen der Gewerke zu vermeiden. Im weiteren Verlauf leitete das Bauunternehmen die Materialmengen für die Ausschreibung und Vergabe der verschiedenen Gewerke aus dem Datenmodell ab, erstellte Terminpläne, simulierte den Bauablauf, verglich laufend den Soll- und Ist-Zustand und nutzte das Datenmodell auch zur Qualitätskontrolle. Dass integrales Arbeiten ein großer Vorteil von BIM ist, zeigte sich bei den interaktiven Planungs- und Baubesprechungen. Da alle Informationen im Gebäudedatenmodell hinterlegt waren, visualisierten und klärten Bauunternehmen, Architekten und Fachplaner wichtige Punkte direkt am Bildschirm.

Sowohl Wolff & Müller als auch CIP Architekten konnten ihr BIM-Know-how bei diesem Projekt vertiefen. Alle Beteiligten sind sich einig, dass BIM entscheidend zu einer sehr guten Kommunikation und einer intensiven integralen Zusammenarbeit beigetragen hat. Aus Sicht von CIP Architekten war das Hotel-Projekt vor allem deshalb ein Meilenstein, weil das Team hier das Fundament für zukünftige BIM-Projekte schaffen konnte: Die Architekten entwickelten grafische Standards und in der Software Revit eine Bibliothek an Bauteilen, auf die sie nun weiter zugreifen können. Darüber hinaus legten sie eigene Richtlinien für die künftige Arbeit mit BIM fest. Beispielsweise wurde definiert, über welchen Detailierungsgrad das 3D-Modell verfügen muss, und welche Bauteile und Elemente im Modell für welche Leistungsphase eingesetzt werden. Für Wolff & Müller ist das Hotel "the niu Mesh" eine weitere erfolgreiche BIM-Referenz. Es steht in einer Reihe mit Projekten wie dem Rathaus Leonberg, dem Porsche-Casino Weissach und dem EUREF-Campus Berlin.

Das Architekturbüro CIP Architekten und die Tragwerksplaner Boll und Partner erstellten ein zentrales Modell, auf das alle in Echtzeit Zugriff hatten.Foto und Abb.: CIP Architekten

Mit Blick auf künftige BIM-Projekte arbeitet das Bauunternehmen darauf hin, das Datenmodell während der eigentlichen Bauausführung, also vor Ort auf der Baustelle, noch intensiver zu nutzen. Zum Beispiel könnte BIM auch im Austausch mit Nachunternehmern zum Einsatz kommen. Dafür möchte das Stuttgarter Bauunternehmen weitere Baupartner gewinnen, die bereits mit der Methodik arbeiten und digitale Prozesse etabliert haben. Zudem lassen sich Materialen direkt aus dem Gebäudedatenmodell heraus bestellen. Ein weiteres Ziel ist, Bauherren dafür zu sensibilisieren, dass BIM auch in der langen Betriebsphase von Bauwerken sehr hilfreich ist. Voraussetzung ist ein sogenanntes As-built-Modell. Das ist ein detailgenauer digitaler Zwilling des fertigen Gebäudes samt aller eingebauter Technik. Von der Trockenbauwand über die Klimaanlage bis zum Lichtschalter lässt sich der gesamte Ausbau digital abbilden. Facility Manager können so zum Beispiel Reinigungskosten oder den Energiebedarf von Räumen berechnen. Auf diese Weise wirken die Vorteile von BIM noch weit über die Fertigstellung hinaus.

Parallel zu BIM führt Wolff & Müller weitere digitale Werkzeuge ein, wie zum Beispiel Drohnen zur Geländevermessung, Virtual Reality, das mobile Planungs- und Echtzeitsystem BPO und vernetzte Baumaschinen.

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Zeynep Kaplan ist BIM-Managerin bei Wolff & Müller, Bojana Bojanic ist Geschäftsführerin bei CIP Architekten.

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