Neue Bautechnik nimmt behördliche Genehmigungsprozesse

Erstes 3D-gedrucktes Wohnhaus Deutschlands entsteht

Beckum (ABZ). – Die Peri GmbH druckt im nordrhein-westfälischen Beckum das erste Wohnhaus Deutschlands. Das zweigeschossige Einfamilienhaus mit etwa 80 Quadratmetern Wohnfläche pro Geschoss entsteht nicht in herkömmlicher Bauweise, sondern wird von einem 3D-Betondrucker gedruckt. Die in Deutschland erstmals ausgeführte Bautechnik hat in den vergangenen Wochen und Monaten alle behördlichen Genehmigungsprozesse genommen, so der Schalungs- und Gerüsthersteller.

Der erste 3D-Druck eines Wohnhauses in Deutschland ist sowohl für den Wohnungsbau, als auch für das Unternehmen Peri ein Meilenstein. Schon länger befasst sich der Schalungs- und Gerüsthersteller mit dem für ihn disruptiven Ansatz des 3D-Betondrucks. Bereits auf der vergangenen Ausgabe der Berliner Baufachmesse bautec konnten sich die Fachbesucher ein Bild des Verfahrens machen, an dem Peri zusammen mit dem 3D-Betondruck-Spezialisten Cobod arbeitet. Nun wird im nordrhein-westfälischen Beckum erstmals ein Wohnhaus in dem neuartigen Verfahren gebaut.

Für Peri markiert das komplett behördlich genehmigte Projekt zugleich das Erreichen der Marktreife für diese Technologie im Wohnungsbau. Mit der Erarbeitung des Konzepts zur Erwirkung der Genehmigung unterstützte das Ingenieurbüro Schießl Gehlen Sodeikat, die Planung und Durchführung der entsprechenden Zulassungsprüfungen erfolgte durch die TU München.

Geplant wurde das Gebäude von Mense-Korte ingenieure+architekten, Bauherr ist die Hous3Druck GmbH. Das Material für die Herstellung des Druckbetons stammt von HeidelbergCement.

Das Land Nordrhein-Westfalen fördert das 3D-Betondruck-Projekt in Beckum im Rahmen seines Förderprogrammes "Innovatives Bauen". In der vergangenen Woche informierte sich Ina Scharrenbach, Ministerin für Heimat, Kommunales, Bau und Gleichstellung des Landes Nordrhein-Westfalen, auf der Baustelle in Beckum über den Stand der Dinge.

"Nordrhein-Westfalen-Innovation für Deutschland: digital, dynamisch, druckfertig – das sind unsere 3Ds für die Zukunft des Bauens. Wir sind stolz darauf, dass das erste Haus, welches 3D gedruckt wird, in unserem Bundesland entsteht. Damit ist Nordrhein-Westfalen Vorreiter für Deutschland. Nicht morgen, nicht irgendwann, sondern heute. Die Landesregierung Nordrhein-Westfalen fördert gezielt Investitionen in den Innovationsmotor Bau: Das 3D-Haus wird mit 200 000 Euro gefördert. Weitere Projekte sind in der Druckerschleife", erläutert Ministerin Scharrenbach. "Der Druck des Wohnhauses in Beckum ist ein Meilenstein für die 3D-Betondrucktechnologie", so Thomas Imbacher, Geschäftsführer Innovation & Marketing der Peri GmbH. "Wir sind davon überzeugt, dass das Drucken mit Beton in den nächsten Jahren in bestimmten Marktsegmenten an Bedeutung gewinnen wird und erhebliches Potenzial hat. Weitere Wohnhaus-Druckprojekte in Deutschland sind bereits in der Vorbereitung. Wir sind stolz, dass wir bei Peri mit dem Projekt in Beckum Vorreiter und Wegbereiter für diese neue Form des Bauens sind."

"Wir bei Peri verstehen uns als Innovationsführer in unseren Märkten", ergänzt Dr. Fabian Kracht, Geschäftsführer Finanzen & Organisation und Sprecher der Geschäftsführung der Peri Gruppe. "Dazu gehört auch, dass wir uns gezielt an Start-ups beteiligen, die in unseren Branchen mit neuen Lösungen unterwegs sind. 3D-Druck ist ein Geschäftsfeld, das sich aus diesem Beteiligungsportfolio heraus entwickelt hat und nun im Markt angekommen ist. Der Erfolg in Beckum bestätigt uns in unserem Ansatz."

"3D-Betondruck verändert die Art und Weise wie wir bauen und den Prozess des Hausbaus grundsätzlich. Da es das erste Gebäude seiner Art ist drucken wir bewusst nicht so schnell wie dies eigentlich möglich wäre", so Leonhard Braig, Geschäftsführer Produktion & Supply Chain der Peri GmbH. "Wir wollen die Gelegenheit nutzen, weiter Erfahrungen im Alltagsbetrieb zu sammeln, die uns beim nächsten Druckprojekt helfen werden, das Kostensenkungspotenzial unserer Technologie weiter zu heben."

"Das Betondruckverfahren bietet uns Planern ein hohes Maß an Designfreiheit in der Gestaltung von Gebäuden, die in herkömmlicher Bauweise nur mit hohem finanziellem Aufwand umsetzbar wären", so Architekt Waldemar Korte, Gesellschafter des Büros Mense-Korte ingenieure+architekten aus Beckum. "Mit unserem gedruckten Wohnhaus in Beckum zeigen wir die Potentiale des Betondruckverfahrens auf. Für unser Team ist es ein großes Privileg, das erste 3D-gedruckte Gebäude in Deutschland zu realisieren. Wir glauben an die Zukunftsfähigkeit der Betondrucktechnologie für den Bausektor und haben bereits weitere 3D-Druck-Projekte im Fokus."

Peri setzt zum Druck 3D-Drucker vom Typ BOD2 ein. Diese Drucktechnologie stammt vom dänischen Hersteller Cobod, an dem Peri bereits seit 2018 beteiligt ist.

"Der in Beckum verwendete Drucker vom Typ BOD2 ist ein Portaldrucker, das heißt der Druckkopf bewegt sich über drei Achsen auf einem fest installierten Metallrahmen", so Fabian Meyer-Brötz, Leiter 3D Construction Printing bei Peri. "Der Vorteil: Der Drucker kann sich in seinem Rahmen an jede Position innerhalb der Konstruktion bewegen und muss nur einmal kalibriert werden." Das zum Druck eingesetzte Material "i.tech 3D" wurde von HeidelbergCement speziell für den 3D-Druck entwickelt. Seine Eigenschaften sind angepasst auf die besonderen Anforderungen des 3D-Drucks mit Beton, und es harmoniert sehr gut mit dem BOD2. So wird ein reibungsloser Baufortschritt gewährleistet.

"Die Entwicklung eines zementgebundenen Materials für den 3D-Druck ist eine große Herausforderung. Es sollte gut pumpbar und gut extrudierbar sein", so Dr. Jennifer Scheydt, Leiterin der Abteilung Engineering & Innovation bei HeidelbergCement Deutschland. "Außerdem muss es schnell eine ausreichende Tragfähigkeit ausbilden, damit die unteren Schichten nicht unter der Last der oberen Schichten versagen. Hierbei muss gleichzeitig der Verbund zwischen den Schichten sichergestellt sein", Scheydt weiter.

"HeidelbergCement hat als leistungsstarker und innovativer Partner dazu beigetragen, dass alle offenen Fragen zur Bauweise und zum Druckbaustoff schnell und problemlos geklärt werden konnten", so Fabian Meyer-Brötz, Leiter 3D Construction Printing bei Peri.

Die Konstruktion des Hauses besteht aus dreischaligen Wänden, die mit Isoliermasse verfüllt werden. Während des Druckvorganges berücksichtigt der Drucker bereits die später zu verlegenden Leitungen und Anschlüsse. Der BOD2 ist so zertifiziert, dass auch während des Druckvorgangs im Druckraum gearbeitet werden kann. Manuelle Arbeiten, zum Beispiel das Verlegen von Leerrohren und Anschlüssen, können so einfach in den Druckprozess integriert werden.

Bedient wird der Drucker von lediglich zwei Personen. Der Druckkopf und die Druckergebnisse werden per Kamera überwacht. Mit einer Geschwindigkeit von 1 Meter pro Sekunde ist der BOD2 aktuell der schnellste 3D-Betondrucker auf dem Markt. Für 1 Quadratmeter doppelschalige Wand benötigt der BOD2 rund fünf Minuten.

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