Xploration Forum 2016

Volvo CE gewährte Einblick in Entwicklung von Morgen

Auf dem Xploration Forum in Eskilstuna stellte Volvo CE seine elektrische Baustellenlösung vor und enthüllte das neue autonome und batteriebetriebene elektrische Lastenträgerkonzept HX1.

Eskilstuna/Schweden (rb). – Wie sieht die Baumaschine der Zukunft aus? Wie lassen sich Effizienz und Sicherheit am Bau noch weiter steigern? Und welche Themen von Übermorgen bestimmen bereits heute die Entwicklungsarbeit eines Herstellers wie Volvo Construction Equipment (Volvo CE)? Antworten auf diese Fragen gab es kürzlich auf dem Xploration Forum in Eskilstuna (Schweden), wo das Unternehmen eine ganze Reihe zukunftsweisender Forschungskonzepte vorstellte. Digitalisierung, Elektromobilität, intelligente Maschinenkonzepte etc. – seit einiger Zeit befindet sich die Bauindustrie spürbar im Aufbruch. Schlagwort um Schlagwort loten Hersteller und Ausführer aktuell noch offene Potenziale aus, die Arbeit am und um den Bau effizienter und sicherer zu gestalten. Neben der großen BIM-Revolution in der Bauplanung stehen momentan vor allem neue Maschinenkonzepte zur Debatte, die mittels Automatisierung und alternativer Antriebskonzepte an der Nachhaltigkeitsschraube im Bauwesen drehen sollen. Ein gewaltiger technologischer Sprung für eine Branche, die lange Zeit als sehr konservativ galt. Viele Ideen stecken nach wie vor in den Kinderschuhen, die Entwicklungsarbeit befindet sich jedoch bereits in vollem Gange. Denn wer bei den Themen von Übermorgen nicht hinten anstehen möchte, hat im Bestfall schon Vorgestern damit angefangen.

So auch bei Volvo CE: "Das Bestreben von Volvo CE, die nachhaltige Entwicklung zu fördern, steht im Einklang mit der Vision der Volvo-Gruppe, Weltmarktführer für nachhaltige Transportlösungen zu werden", erklärt Martin Weissburg, Mitglied des Vorstandes und Präsident von Volvo CE, auf der internationalen Pressekonferenz im Rahmen des diesjährigen Xploration Forums im schwedischen Eskilstuna. Auf der zukunftsorientierten Leistungsschau präsentierte das Unternehmen eine Reihe futuristischer Konzepte und Innovationen rund um die Themen Elektromobilität, intelligente Maschinen und autonome Baustellen. Zu den Höhepunkten der Veranstaltung zählten die Enthüllung des Hybrid-Radlader-Prototyps LX1, die Vorführung eines autonomen Radlader-Prototyps, der in Zusammenarbeit mit einem knickgelenkten Dumper präsentiert wurde, sowie eine elektrische Baustellenlösung rund um den Prototyp des autonom betriebenen Lastenträgers HX1.

Elektrifizierung ist die Zukunft

Nach Ansicht von Volvo CE liegt die Zukunft der Baumaschinen ganz klar in der Elektrifizierung. In Eskilstuna präsentierte das Unternehmen vor diesem Hintergrund den Prototyp eines neuen Hybrid-Radladers. Der LX1 ist ein Serienhybrid, der mit einem Antriebsstrang ausgestattet ist, der aus elektrischen, an den Rädern montierten Antriebsmotoren besteht. Zusätzlich verfügt er über elektrische Hydraulikeinheiten, ein Energiespeichersystem, einen deutlich kleineren Dieselmotor und eine völlig neue Maschinenarchitektur (98 % neue Bauteile). Diese Kombination macht nach Aussage des Herstellers eine erhebliche Reduzierung des Kraftstoffverbrauchs um bis zu 50 % möglich.

Bereits seit 1998 arbeitet man bei Volvo CE an den Themen Elektromobilität und Hybridtechnologie. Dass auch der LX1 von der Marktreife noch weit entfernt ist, liegt daran, dass die Hybridtechnologie aus Sicht des Unternehmens nach wie vor zu kostspielig ist, um sie den Kunden als wirtschaftlich sinnvoll zu verkaufen. Nichts desto trotz sei die Entwicklungsarbeit wichtig, da die Erfahrungen auf dem Weg Schritt für Schritt auch zur Verbesserung bestehender Produkte beitragen würden, hieß es.

 

Ebenfalls gezeigt wurden autonom arbeitende Baustellenfahrzeuge, mit denen sich zyklische Arbeitsprozesse in gefährlichen Arbeitsumgebungen fahrerlos bewältigen lassen.Fotos: Volvo CE

Elektrische Baustellenlösung

Mit einem anderen Projekt möchte der schwedische Baumaschinenhersteller gleich eine komplette Branche grundlegend umkrempeln. So stellte Volvo CE in Eskilstuna eine elektrische Baustellenlösung für die Steinbruch- und Gesteinsindustrie vor, mit der sich die CO2-Emissionen um bis zu 95 % und die Gesamtbetriebskosten um bis zu 25 % senken lassen sollen.

Im Mittelpunkt steht das neue autonome und batteriebetriebene Lastenträgerkonzept HX1. Das Projekt zielt darauf ab, eine Förderstufe in einem Steinbruch, vom Abbruch aus der Wand bis zur Sekundärzerkleinerung zu elektrifizieren. Es beinhaltet die Entwicklung neuer Maschinen, Arbeitsmethoden und Baustellenverwaltungssysteme. Neben einer HX1-Flotte gehören weitere Maschinenprototypen zum elektrischen Baustellensystem, u. a. ein Hybrid-Radlader und ein an das Stromnetz angeschlossener Bagger. Die neue Technologie umfasst zudem Maschinen- und Flottenkontrollsysteme sowie logistische Lösungen für elektrische Maschinen in Steinbrüchen.

Für das 203 Mio. SEK teure Projekt arbeitet Volvo CE mit seinem schwedischen Kunden Skanska Sweden, die Schwedische Energieagentur, sowie zwei schwedischen Universitäten, der Universität Linköping und der Universität Mälardalen zusammen. Volvo CE koordiniert das gemeinsam finanzierte Projekt und ist für die Entwicklung der Maschinen und Systeme verantwortlich. Skanska steuert logistische Lösungen, Anwendungsrelevanz und Baustellenerfahrung bei. Die Schwedische Energieagentur, eine Regierungsbehörde für Anliegen der nationalen Energiepolitik, hilft bei der Finanzierung des Projekts, und die Universitäten sind für die Forschungsarbeiten zuständig. Das Projekt startete im Oktober 2015 und soll bis Ende 2018 abgeschlossen sein.

Autonomen Prototyp enthüllt

Nicht zuletzt enthüllte Volvo CE in Eskilstuna auch noch den Prototypen eines autonomen knickgelenkten Dumpers. Der Prototyp des Radladers belud in der Vorführung einen knickgelenkten Dumper-Prototypen, bevor dieser seine Last auskippte, woraufhin sich der Zyklus wiederholte. In einem eineinhalbstündigen Feldversuch hat das Unternehmen ermittelt, dass der autonome Dumper in der Lage sei, 70 % der Menge zu schaffen, die ein erfahrener Bediener normalerweise beim Laden und Entladen bewältigt.

Seit über einem Jahrzehnt arbeitet das Unternehmen nach eigener Aussage bereits an autonomen Maschinen. Noch handelt es sich auch hierbei um Zukunftsmusik. Die auf dem Xploration Forum gezeigten Prototypen sind bspw. noch nicht in der Lage, miteinander zu kommunizieren. Auch handelt es sich hierbei noch um aufgerüstete Standardmaschinen. In der Vision des Unternehmens wird es irgendwann gar keine Notwendigkeit mehr für ein Führerhaus in derartigen Modellen geben. Solche Maschinen könnten dann ihr Einsatzgebiet etwa in besonders gefährlichen Arbeitsbereichen eines Steinbruchs finden und so einen wesentlichen Beitrag zur Arbeitssicherheit leisten.

Für eine nachhaltige Zukunft

Alle in Eskilstuna gezeigten Innovationen seien aktuell noch reine Forschungsprojekte, betonte das Unternehmen. Wenngleich Volvo CE jedes Jahr mehrere Milliarden an Schwedenkronen in derartige Entwicklungsprojekte investiere, sei im Moment noch nicht absehbar, welche Technologien und Konzepte sich in der Praxis letztlich als sinnvoll und machbar erweisen würden. Weissburg: "Und selbst wenn diese Technologie noch Jahre von der Produktion entfernt ist oder womöglich auch niemals produziert werden sollte, wirkt sie sich dennoch zweifellos auf unsere zukünftigen Produkte aus und wird möglicherweise die Bauindustrie, so wie wir sie kennen, grundlegend verändern. Die Fortschritte, die unsere Ingenieure machen, sind einfach atemberaubend."

Die auf dem Xploration Forum präsentierten Entwicklungen wurden vom "Volvo-Konzeptlabor", einer neuen Initiative der Volvo-Gruppe, vorgestellt. In Zukunft werden die zur Volvo-Gruppe gehörenden Unternehmen der Marke Volvo ihre Forschungs- und Entwicklungsprojekte auf dieser Plattform für Technologiekommunikation vorstellen. "Die Volvo-Gruppe erforscht und entwickelt eine Technologie, die noch nicht reif genug ist, um auf dem herkömmlichen Weg kommuniziert zu werden. Nichtsdestotrotz wollen wir unseren Kunden, den Medien, den Regierungen und der Öffentlichkeit die aufregenden Projekte, an denen wir arbeiten, vorstellen", sagte Martin Weissburg.

Auf diesem Weg möchte Volvo CE die Vorreiterrolle des Unternehmens in der Baumaschinenindustrie in puncto Innovation untermauern. "Wir haben uns vier entscheidende Technologieherausforderungen gestellt, die wir Triple Zero (Dreifach Null) und 10x nennen: null Emissionen, null Unfälle, null unplanmäßige Stillstände und eine 10x höhere Effizienz", erklärte Weissburg. "Wir glauben, dass unser Fokus auf Elektromobilität, intelligenten Maschinen und kompletten Baustellenlösungen uns dabei hilft, diese ehrgeizigen Ziele zu erreichen und so den Weg für eine nachhaltige Bauindustrie zu ebnen."

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