VDBUM Seminar 2019: Podiumsdiskussion

Fachkräftemangel und Innovationskultur am Bau

Die Teilnehmer der diesjährigen Podiumsdiskussion (v.l.): Friedrich Duensing, Geschäftsführer der Friedrich Duensing GmbH, Jakob Mertens, Michael Ziegler, Director Human Resources bei Total, Michael Heidemann, stellvertretender Vorsitzender der Geschäftsführung bei Zeppelin, und Peter Guttenberger, erster Vorsitzender des VDBUM und Geschäftsführer Transport & Geräte bei Max Bögl.Fotos: Bachmann

Willingen. – Wie kann es gelingen, wieder mehr junge Menschen für den Bau zu interessieren und welche Rolle spielt dabei die Innovationskultur in der Industrie? Das waren die Themen auf der Podiumsdiskussion des diesjährigen VDBUM Seminars in Willingen. Das Fazit: Die eine Antwort gibt es nicht, dafür einen stetig wachsenden Blumenstrauß an Lösungsansätzen.

Mit mehr als 1100 Teilnehmern ist das Besucherinteresse des VDBUM Seminars auch in diesem Jahr ungebrochen hoch. Einmal mehr trifft man im Sauerland Stern Hotel in Willingen dieser Tage auf zahlreiche Anwender und Entscheider aus der Baumaschinenbranche. Sowohl in der Fachausstellung als auch in den Vortragssälen findet ein angeregter Austausch statt. Das ist nicht nur der gewohnt familiären Atmosphäre des VDBUM Seminars geschuldet, sondern auch dem erneut brandaktuellen Themenmix, dem sich die Veranstaltung in 2019 widmet. „Innovation durch Motivation“ lautet das diesjährige Motto. Damit spielt der Verband der Baubranche, Umwelt- und Maschinentechnik (VDBUM) auf das Verhältnis bzw. Wechselspiel zwischen der Digitalisierung und dem Fachkräftemangel an. Jene beiden Themen also, welche die Unternehmen der Branche derzeit wohl am meisten umtreiben.

Innovation ist Pflicht

Auf der Suche nach Antworten hatte der VDBUM erneut prominente Vertreter aus der Industrie zur großen Podiumsdiskussion geladen: Thomas Bauer, Aufsichtsratsvorsitzender der Bauer AG, Michael Ziegler, Director Human Resources bei Total und Michael Heidemann, stellvertretender Vorsitzender der Geschäftsführung bei Zeppelin, gaben dabei ihre individuellen Einschätzungen zu den Themen ab. Im zweiten Teil der Diskussion ergänzte Friedrich Duensing, Geschäftsführer des gleichnamigen Bauunternehmens aus Niedersachsen, die Runde und teilte seine ganz persönlichen Erfahrungen mit dem Thema Nachwuchsgewinnung. Mit Jakob Mertens kam auch ein Vertreter der jüngeren Generation zu Wort.

Zunächst ging es allgemein um die Frage nach der Notwendigkeit von Innovationen. Ohne gehe heute gar nichts, waren sich die Redner einig. Trotz ausgesprochen positiver Auftragslage müssten sich Kunden heute auf teils lange Wartezeiten einstellen. Das liege v.a. an mangelnden Kapazitäten, allem voran im personellen Bereich.

Zwar seien der Fachkräftemangel und die vielerorts noch offenen Effizienzpotenziale ein flächendeckendes Problem für das Bauwesen, jedoch sehe man sich zeitgleich einer immer stärkeren Konkurrenz aus dem Ausland, insbesondere aus China, gegenüber, wie Thomas Bauer erklärte. Deutschland müsse sich dringend auf einen härteren Wettbewerb einstellen – sowohl im Personalsektor als auch in Bezug auf neue Technologien. Dieser werde in den nächsten zehn Jahren noch deutlich zunehmen, prognostizierte Bauer. Besonders für global agierende Unternehmen werde es dabei immer wichtiger, sich auch im Ausland nach Arbeitnehmerpotenzialen umzusehen und diese zu entwickeln. Ganz wichtig sei es, eine entsprechende Innovationskultur im Unternehmen zu etablieren und zu pflegen. Herausforderungen wie die Digitalisierung könnten nicht von oben diktiert, sondern müssten gemeinsam mit den Mitarbeitern entwickelt werden. „Man muss neuen Ideen eine Chance geben und auch Fehlschläge in Kauf nehmen“, so Bauer.

Das konnte auch Michael Ziegler nur bestätigen. Der Total Konzern komme allein seiner immensen Größe und Mitarbeiterzahl wegen einem „schweren Öltanker“ gleich. „Die Digitalisierung ist für ein solches Unternehmen ein langwieriger Prozess. Sie ist kein Sprint, sondern ein Marathon“, so Ziegler. Dennoch gelte es, alles daran zu setzen, alle Mitarbeiter in die Digitale Transformation einzubeziehen. Neben einer entsprechenden Geschäftseinheit habe Total daher ähnlich wie die Bauer AG ein sog. Reverse Mentoring eingeführt, wobei jüngere Mitarbeiter ihre älteren Kollegen in digitalen Anwendungen coachen. Das fördere nicht nur den digitalen Wandel im Unternehmen, sondern auch das Arbeitsklima zwischen den verschiedenen Generationen am Arbeitsplatz.

Emotionale Faktoren sind entscheidend

Auch Thomas Bauer (li.), Vorstandsvorsitzender der Bauer AG, teilte im Rahmen der Podiumsdiskussion seine Erfahrungen mit den Themen Innovation und Digitalisierung.

Auch für Michael Heidemann ist die Atmosphäre am Arbeitsplatz ein entscheidendes Kriterium. Der Fachkräftemangel ist für ihn die zentrale Herausforderung der Zukunft. Neue Technologien seien dabei ein wichtiges Instrument, dem Problem beizukommen. Moderne Maschinen, ausgestattet mit diversen Assistenzsystemen und komfortablen Arbeitsplätzen, könnten einerseits mangelnde Erfahrungen bei ungeübten Bedienern kompensieren. Andererseits könnten sie in erheblichem Maße die oft noch als mühsam verschriehene Arbeit erleichtern und seien ob ihrer technischen Raffinesse attraktiver für die jüngere Generation. „Wir müssen mit allen Mitteln daran arbeiten, junge Menschen heute wieder für das Berufsfeld Bau zu begeistern“, betonte Heidemann. Das gehe allerdings nicht allein über neue Technologien. Entscheidend seien v.a. emotionale Faktoren, sprich die Atmosphäre am Arbeitsplatz und das Miteinander zwischen den Kollegen verschiedener Altersgruppen.

Auch für Friedrich Duensing liegt hierin ein wesentlicher Ansatz, um das Problem des Fachkräftemangels anzugehen. Angesichts des demografischen Wandels und des stetig steigenden Bedarfs an Arbeitskräften sah auch sein Unternehmen die Notwendigkeit, das Personalmanagement komplett umzustellen. Konnte man früher noch auf eingehende Bewerbungen warten, müssen Unternehmen heute gezielt auf junge potenzielle Nachwuchskräfte zugehen – und das auf allen verfügbaren Kanälen. Ganz wesentlich sei dabei, die junge Generation verstehen zu lernen. So hätten sich die Ansprüche junger Arbeitnehmer grundlegend gewandelt. Geld spiele kaum noch eine Rolle, während Themen wie ein ausgewogenes Verhältnis von Arbeit und Freizeit heute hoch im Kurs ständen. Hier müsse auch die ältere Generation ihre Vorstellungswelt anpassen.

Um auch die Perspektive eben dieser jungen Generation einzubeziehen, hatte der VDBUM Jakob Mertens zur Podiumsdiskussion geladen. Für ihn steht fest: „Es müssen wieder mehr junge Menschen in die Ausbildung.“ Er selbst hatte sich trotz Abitur für eine Lehrausbildung entschieden und vor Kurzem erfolgreich abgeschlossen. Wenngleich es ihn nun in ein duales Studium zieht, bewertet er die praktische Erfahrung, die er in der Ausbildung sammeln konnte als überaus wertvoll. Dass diese heute kaum noch wertgeschätzt werde und zu viele Jugendliche nach der Schule heute in ein Studium getrieben werden, hält Mertens für eine Fehlentwicklung. So auch das Publikum, dass dem jungen Mann für diese Aussage Szenenapplaus spendierte. Sowohl bei den Schulabgängern als auch bei den Studierenden nehme er eine teils große Orientierungslosigkeit wahr. Darin wiederum sieht er eine Chance für die Unternehmen, sich diesen Menschen anzunehmen und eine Perspektive außerhalb der akademischen Laufbahn aufzuzeigen.

Leidenschaft vermitteln

„Wir müssen der jungen Generation die Freude und Leidenschaft am Bauberuf vermitteln, die wir selbst haben“, bestätigt Michael Heidemann. Das Image der Branche habe in den langen Jahren des wirtschaftlichen Abschwungs schwer gelitten. Das Bauwesen habe jedoch entscheidende Vorteile gegenüber der industriellen Fertigungsindustrie, die für junge Menschen heute vielfach die bessere, weil komfortablere Option darstellt. Allem voran die Möglichkeit, etwas Eindrucksvolles zu gestalten, statt immer nur wieder die gleichen Handgriffe am Fließband durchzuführen. Darüber hinaus sei ein familiäres Arbeitsumfeld, in dem sich Mitarbeiter verschiedener Altersgruppen auf Augenhöhe begegnen, immens wichtig. Ein reiner Jugendwahn sei daher fehl am Platz. Auch die älteren Mitarbeiter müssten entsprechend gefördert und einbezogen werden, damit diese im Schulterschluss mit dem Nachwuchs die Zukunft gestalten können.

Zusammenfassung: Arbeitgeber sind heute zu vielem bereit, um sich in einem zunehmend härteren Wettbewerb attraktiv für den Nachwuchs aufzustellen: Im Arbeitsvertrag geregelte Zusatzleistungen, Dienstwagen, eine überdurchschnittliche hohe Bezahlung, flexible Arbeitszeitmodelle u.v.m. All das ist wichtig und nicht nur notwendiger Kompromiss. Junge Menschen müssen heute perspektivisch bis ins hohe Alter arbeiten. Entsprechend hoch sind die Ansprüche an Vorsorge und Work-life-Balance. Derartige Boni sind jedoch nur ein Teil eines großen Blumenstraußes an Maßnahmen, mit denen dem Fachkräftemangel beizukommen ist. Allem voran gilt es, die junge Generation ernst zu nehmen in ihren Wünschen und ihrer Lebenswelt. Für den Arbeitgeber bedeutet das mitunter, Altbewährtes komplett auf links zu drehen. Nicht nur die Auftragsbücher sind in der Baubranche also prall gefüllt, sondern auch die Hausaufgabenhefte.

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