Digitale Taktung bei Kleusberg

Zukunftsweisende Projektabwicklung im Modulbau initiiert

Die online-basierte CDE-Plattform dient der intelligenten Vernetzung. Foto: Kleusberg

Wissen (ABZ). – Die Digitalisierung verändert zahlreiche Arbeits- und Lebensbereiche, so auch die Baubranche. Dabei ist Building Information Modeling (BIM) einer der Innovationstreiber: Der digitale Zwilling eines Gebäudes, der sämtliche Bauwerksdaten enthält und den alle Gewerke kollaborativ als Planungsgrundlage nutzen.

Kleusberg unter Einbezug des Lean-Managements eine ganzheitlich digitale Lösung zur Projektabwicklung bereitgestellt und setzt diese nach eigenen Angaben erfolgreich ein. Durch eine minutiöse Taktung und digitale Unterstützung mittels diverser Arbeitstools erziele das Unternehmen Sicherheit bei der Einhaltung von Zeitplänen, Kosten und der Qualität in der Ausführung und sorge damit für größtmögliche Transparenz für alle Beteiligten.

"Wir sind mit unserer digitalen Projektabwicklung einer der Vorreiter", ist André Triphaus-Woltermann, Geschäftsführer Projektbau bei Kleusberg, überzeugt. "Die wesentliche Innovation für die Baubranche besteht darin, dass jeder – von den Bauherren über die Architekten bis hin zu den einzelnen ausführenden Gewerken – das aktuelle Projektgeschehen im Blick hat. Erforderliche Informationen stellen wir berechtigungsgesteuert in Echtzeit über eine onlinebasierte CDE-Plattform (Common Data Environment) zur Verfügung, die überall und auf allen Endgeräten abgerufen werden kann – auch direkt auf der Baustelle."

Die Basis bildet die Projektnavigation. Sie bildet mehrere hundert Prozesse digitalisiert ab und fasst sie in acht Milestones zusammen: Vertrieb, Projektstart, Planung, Produktion, Montage, Ausbau, Abschluss und Gewährleistung. Sämtliche Schritte werden koordiniert und in einer Zeitachse mit festen Terminen sowie Verantwortungen zugewiesen. Dabei sind die Arbeitsinhalte klar definiert und hinterlegt, erläutert Kleusberg. Kommt es zu Abweichungen, werden sie mit einer Ampelbewertung sofort identifiziert und Gegenmaßnahmen eingeleitet. Die Projektnavigation begleitet die Abwicklung von der Auftragserteilung bis zur schlüsselfertigen Übergabe und darüber hinaus.

"Das Wichtigste bei der digitalen Projektierung ist die intelligente Vernetzung und das synergetische Zusammenwirken aller Beteiligten auf einer einheitlichen Plattform in Echtzeit. Damit das möglich ist, müssen die Planungen von Beginn an darauf ausgerichtet sein", sagt Triphaus-Woltermann. Zu Beginn definiert und dokumentiert Kleusberg die Anforderungen, Prozesse und Strukturen, die für eine digitale Projektabwicklung erforderlich sind. Hier werden die grundsätzliche Vorgehensweise und technischen Eckdaten zum BIM-Modellaustausch festgelegt wie etwa Dateiformat, Bauteilinformationen oder die Detailtiefe der Geometrien.

Es folgt der BIM-Abwicklungsplan (BAP), der gemeinsam mit Fachplanern erstellt wird. Unmittelbar nach Auftragserteilung beginnen die Mitarbeitenden auf Grundlage der Entwurfs- beziehungsweise Genehmigungsplanung mit dem BIM-Modell. Es wird den Planungsbeteiligten über die CDE-Plattform (Common Data Environment) zur Verfügung gestellt und dient als Arbeitsgrundlage für alle folgenden Fachplanungsaufgaben. "Durch das BIM-Modell sind den Fachplanern und BIM-Koordinatoren die geometrischen Gegebenheiten frühzeitig ersichtlich", erläutert Benedikt Anders, Leiter des technischen Büros bei Kleusberg. "Kollisionspunkte von Bauteilen wie Trägern und Stützen oder von Lüftungs- und Sanitärleitungen werden direkt vermieden." In das BIM-Modell fließen darüber hinaus alle statischen Berechnungen sowie bauphysikalischen Nachweise ein. Sämtliche Kenndaten können aus dem Gebäudemodell entnommen und zur weiteren Verarbeitung genutzt werden. Auch produktionszugehörige Abteilungen bei Kleusberg profitieren vom digitalen Zwilling. Fertigungsrelevante Details können aus diesem extrahiert und beispielsweise Stücklisten für die Materialbeschaffung und -verarbeitung an die zuständigen Bearbeitungsstellen weitergeleitet werden.

"Das Herzstück unserer digitalen Projektabwicklung ist die Taktplanung", erklärt Linda Sehlbach, Leitung Lean Construction. "Ziel der Taktplanung ist ein organisierter und frühzeitig koordinierter Bauablauf. Dabei bedienen wir uns bewährter Methoden aus der Automobilindustrie. Wir haben sozusagen das Fließband der Industrie auf die Baustelle übertragen."

Dazu wird das Gebäude in einzelne Segmente, die sogenannten Taktbereiche, eingeteilt. Neben der räumlichen Gliederung werden zudem die Arbeitsabläufe definiert und Tätigkeiten in einer Gewerkesequenz in eine sinnvolle Reihenfolge gebracht, die die wöchentlichen Soll-Fortschritte am Bauort dokumentiert. Auch Schnittstellen zwischen den Taktbereichen einzelner Gewerke werden frühzeitig berücksichtigt. "Ohne intelligente digitale Unterstützung wäre diese Flut an Verknüpfungen, Abhängigkeiten und Daten unüberschaubar. Aber durch unsere Vorarbeit werden die Prozesse nicht nur beherrschbar, sondern auch besonders transparent", erklärt Geschäftsführer Triphaus-Woltermann.

Der Zugriff auf die online-basierte CDE-Plattform ist auch über mobile Endgeräte möglich, sodass das Architekturmodell vor Ort via Smartphone oder Tablet zu öffnen ist. Mängelpunkte können parallel erfasst und den Verursachern unmittelbar zur Verfügung gestellt werden.

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