Gemeinsam effizienter

Xella unterstützt Bauprojekt bei digitaler Planung

In rd. zweieinhalbjähriger Bauzeit sollen auf dem Gelände des ehemaligen Freizeit- und Campingplatz Schoddenhof 253 freistehende Ferienhäuser mit Größen zwischen 90 m² und 195 m² Wohnfläche und 36 Appartementhäuser mit insgesamt 216 Wohneinheiten sowie zwei Reihenhäuser entstehen.

Lembruch. – Auf einem 18 ha großen Areal am Dümmer See in Niedersachsen entsteht derzeit ein neuer Ferienpark. Erstmals in Deutschland bringt sich das Unternehmen Xella bei diesem Projekt auch mit seinem neuen Digitalservice blue.sprint ein. Was sich genau dahinter verbirgt, hat die ABZ bei einem Besuch der Baustelle in Erfahrung gebracht.

Die Digitalisierung hat die Baubranche mittlerweile voll erfasst. Vom Hersteller über die Planung bis hin zur Ausführung sind heute alle Akteure des Bauprozesses dazu aufgefordert, althergebrachte Arbeitsweisen und Geschäftsmodelle grundlegend anzupassen. Das kann nur im engen Schulterschluss funktionieren, weshalb sich auch die produzierende Industrie zunehmend auf das Thema Dienstleistung, insbesondere im digitalen Bereich, fokussiert. So auch der Baustoffkonzern Xella, der mit blue.sprint einen neuen Service ins Leben gerufen hat, mit dem das Unternehmen seine Kunden beim digitalen Planen und Bauen ihrer Projekte unterstützt.

Mit blue.sprint bietet das Unternehmen seinen Kunden an, sich im Rahmen dreidimensional modellierter Bauprojekte frühzeitig in die digitale Planung einzubringen. Baustoffhersteller und Bauunternehmer arbeiten dabei quasi nach der weitläufig als BIM (Building Information Modeling) bekannten Verfahrensweise zusammen. Auf Basis seiner hauseigenen Expertise identifiziert Xella Optimierungspotenziale in den Gebäude-Modellen der Kunden. Profitieren sollen davon am Ende beide Seiten: der Bauunternehmer, indem er mittels eines geringfügig höheren Planungsaufwands eine höhere Effizienz bei der Bauausführung und Bauzeit erreicht, sowie der Hersteller, indem er seine Produktion passgenau an den zuvor modellierten Gebäuden ausrichten kann.

So geschehen beim Bau des Marissa Ferienparks am Dümmer See in Niedersachsen. In rd. zweieinhalbjähriger Bauzeit sollen auf dem Gelände des ehemaligen Freizeit- und Campingplatz Schoddenhof 253 freistehende Ferienhäuser mit Größen zwischen 90 m² und 195 m² Wohnfläche und 36 Appartementhäuser mit insgesamt 216 Wohneinheiten sowie zwei Reihenhäuser mit drei bzw. vier Wohnungen entstehen, die sich in lockerer Anordnung über das rd. 18 ha große Areal am See verteilen, der mit einer Wasserfläche von ca. 12,5 km² das zweitgrößte Binnengewässer Niedersachsens ist. Alle Ferienhäuser haben eine Sauna, der größere Typ zusätzlich ein Schwimmbad. Sämtliche Wohneinheiten entsprechen laut Xella den Anforderungen aktueller Energiestandards. Die gesamte Anlage wird in moderner, massiver Bauweise mit Ytong Porenbeton erstellt. Bei den Ferienhäusern kommen dabei Systemwandelemente für Außen- und tragende Innenwände zum Einsatz. Durch das geschosshohe Format ermöglicht diese Bauweise eine schnelle Verarbeitung. Bei den Appartementhäusern werden die Außenwände mit dem Ytong Jumbo Planblock gebaut, die Innenwände mit Silka Kalksandstein. Die Fertigstellung ist für das Jahr 2022 geplant.

Christian Schäfer, Geschäftsführer der Alfred Döpker GmbH & Co. KG, und Andreas Radischewski, Digital Building Solutions and Transformation Manager bei Xella, auf der Großbaustelle des Marissa Ferienparks am Dümmer See.Fotos: Bachmann

Verantwortlich für den Bau des Ferienparks zeichnet die Alfred Döpker GmbH & Co. KG, die das Projekt seit etwa zweieinhalb Jahren als Generalunternehmer betreut. "Zunächst bestand unsere Aufgabe in der reinen Bauausführung", erklärt Christian Schaefer, Geschäftsführer bei Döpker, im Gespräch mit der ABZ vor Ort auf der Baustelle. "Da wir uns jedoch bereits seit vielen Jahren auch mit BIM beschäftigen, sind wir letztlich auch mit in die Planung hineingekommen."

Auf das Thema BIM sei das Unternehmen seinerzeit aus ganz anderen Gründen aufmerksam geworden, als sie heute diskutiert werden. So sei die digitale Vorplanung von Gebäuden im 3D-Modell für Döpker zunächst v. a. eine gute Methode gewesen, Angebote möglichst präzise kalkulieren zu können, erklärt Schaefer. Zu Beginn sei man dabei gleichsam beeindruckt wie auch beunruhigt von der Vielzahl an Möglichkeiten gewesen, die eine BIM-Planung eröffnet. Schaefer: "Wir haben uns auch gefragt, ob ein derart komplexes Thema überhaupt zu einem kleineren Mittelständler wie uns passt. Schritt für Schritt haben wir uns dann aber eingearbeitet, weiterinformiert und letztlich dafür entschieden."

Das ganze Thema steht und fällt letztlich mit dem Personal, betont Schaefer. Bei Döpker habe man großes Glück gehabt, zum richtigen Zeitpunkt eine sehr kompetente Absolventin der Fachhochschule Oldenburg gewinnen zu können, die quasi aus dem Nichts heraus eine BIM-Abteilung im Unternehmen aufgebaut habe. Mittlerweile arbeiten dort drei Mitarbeiter, die sich gezielt mit BIM befassen.

Aktuell nutze man die 3D-Planung bei Döpker v. a. intern. Für eine wirkliche Gewerke-übergreifende Zusammenarbeit auf der Basis von BIM fehle es nach wie vor an etablierten Standards, sagt Schaefer: "Jede Partei in einem BIM-Prozess kommt mit einer anderen Herangehensweise und einem anderen Fokus in das Projekt." Häufig müssten die Modelle, die bspw. vom Architekten aus dessen Perspektive erstellt werden, grundlegend überarbeitet oder sogar neu erarbeitet werden. Das sei natürlich wenig effizient.

Sehr erfolgreich hingegen sei man in diesem Punkt mit dem Unternehmen Xella zusammengekommen. Im Vorfeld, so Schaefer, habe man sich mit vielen verschiedenen Möglichkeiten der Umsetzung des Projekts beschäftigt: von klein- oder großformatigen Materialien über Planelemente bis hin zur Holzrahmenbauweise. Durchgesetzt habe sich am Ende Xella mit seinen Wand- und Deckenelementen aus Porenbeton, weil diese Herangehensweise sehr gut mit der seriellen Bauweise der Typenhäuser harmoniert und dabei sowohl in puncto Qualität als auch Zeit die besten Ergebnisse versprach.

Als Glücksfall erwies sich dabei, dass auch Xella bereits seit 2012 mit BIM plant. Bislang sei man damit v. a. im Ausland sehr aktiv gewesen, wo die Entwicklung bereits deutlich vorangeschritten ist, erklärt Andreas Radischewski, der bei Xella als Digital Building Solutions and Transformation Manager die BIM-Koordination mit den Kunden betreut. "Im Rahmen unseres Digitalservice blue.sprint unterstützen wir Bauunternehmen bei der Planung von Projekten in BIM", erklärt Radischewski. "Idealerweise bringt der Kunde bereits ein 3D-Modell mit. Wir kommen dann dazu und optimieren die Planung des Kunden, wobei wir sowohl unser BIM-Know-how einbringen als auch unsere spezifische Baustoff-Kompetenz."

Alle Gebäude wurden digital vorgeplant. Auch durch die Unterstützung des Digitalservice wallXpert von Xella wurde dabei sichergestellt, dass der Bau und Materialeinsatz so effizient wie möglich gestaltet werden konnte.

So auch beim Bau des Ferienparks Marissa, für den das Unternehmen Döpker und Radischewski eng zusammenarbeiten. Dabei stellte Döpker ihre 3D-Modelle der vorgeplanten Typenhäuser Xella zur Verfügung, die dort auf Basis der eigenen Materialkompetenz noch einmal optimiert wurden. Radischewski: "Dabei haben wir u. a. die Statik noch einmal überprüft und konnten an verschiedenen Stellen Optimierungen vornehmen. So konnten wir bspw. vorschlagen, Trennwände statt in 24 cm Dicke mit einer Stärke von 17,5 cm auszuführen, was statisch kein Problem darstellte." Die Analyse des Modells mit einer speziellen Statik-Software habe außerdem ergeben, dass die Stahlbetonstützen in den Häusern entfallen konnten, was einen reibungsloseren Bauablauf ermöglicht. Die Ergebnisse der Prüfung wurden schließlich digital zurück an die Planer bei Alfred Döpker geschickt und dort in die Ausführungsplanung eingearbeitet.

Die Vorteile, die auf diese Weise erzielt werden konnten, sind laut Radischewski vielfältig. Nicht nur konnten Zeit und Kosten gespart werden, auch habe man u. a. mehr Wohnfläche in den einzelnen Gebäuden ermöglichen können. Die Größe und der sehr engmaschige Fertigstellungszeitplan – nach Baubeginn im Sommer 2018 sollen bereits im Frühjahr 2019 die ersten Häuser übergeben werden, die Fertigstellung des gesamten Komplexes ist für Ende 2020 geplant – machen das Bauvorhaben interessant für die Anwendung von blue.sprint. "Derzeit", sagt Christian Schaefer, "wird zu 80 % auf der Baustelle geplant. Das ist ineffizient!"

Auch für Xella ergeben sich aus der frühen und engmaschigen Zusammenarbeit mit dem Kunden auf digitaler Basis viele Vorteile, erklärt Radischewski: "Auf Basis des Modells planen wir dann wiederum unsere Produktion. Die einzelnen Wände des jeweiligen Gebäudes werden durch die BIM-Software elementiert und die daraus resultierenden Steineinheiten passgenau sowie 'just in time' vorproduziert. Auf diese Weise können wir auf beiden Seiten eine Zeit- und Kostenersparnis generieren." Mit den bisherigen Ergebnissen zeigen sich sowohl Schaefer als auch Radischewski sehr zufrieden. Durch die Verschiebung der Planungsarbeit von der Bauausführungsphase in die Vorplanungsphase konnten die Taktzeiten auf der Baustelle erheblich optimiert werden. Sobald die Grundplatte steht, benötigt Döpker für den Bau eines der mehr als 250 Einfamilienhäuser lediglich 2,5 Tage. Der pünktlichen Fertigstellung des Projekts stehe aktuell nichts im Wege.

Sowohl Schaefer als auch Radischewski können allen Akteuren der Bauindustrie nur raten, sich ebenfalls mit BIM zu befassen. "Deutschland ist in der Tat einigen Nachbarmärkten stark hinterher", sagt Radischewski. "In anderen Ländern stellt sich die Frage, ob BIM oder ob nicht, erst gar nicht. Allein in den Niederlanden hat Xella im vergangenen Jahr 450 Projekte mit BIM durchgeführt. Natürlich ist dieser Markt wesentlich konsolidierter und damit einfacher zu standardisieren." Noch gebe es viele Hürden, bestätigt Schaefer. Neben den noch fehlenden Standards sei BIM v. a. ein sehr schulungsintensives Thema. "Es gibt für BIM keine Regieanweisung. Niemand sagt dir, wie man BIM am besten einführt. Das muss jeder für sich selbst herausfinden. Dabei darf man sich nicht scheuen und muss einfach machen."

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