Kobelco demonstriert K-Dive-System
Kaizen trifft auf die Baustelle
Lelystad/Niederlande | Mit Joysticks in den Händen und dem Blick auf mehrere Monitore gerichtet, steuert ein Journalist den SK140SRLC Kurzheck-Raupenbagger über das Gelände.

Die Fernsteuerung von Baumaschinen aus sicherer Entfernung ermöglicht das K-Dive-System von Kobelco. Foto: Cornelia Rachow
Was wie ein Computerspiel wirkt, ist hochmoderne Realität: Das K-Dive-System von Kobelco ermöglicht die Fernsteuerung von Baumaschinen aussicherer Entfernung. Am neuen europäischen Hauptsitz in Lelystad in den Niederlanden konnten sich Baufachjournalisten von der Präzision der Technologie überzeugen.
Die Demonstration macht deutlich, wofür das System entwickelt wurde: Arbeiten in gefährlichen oder unzugänglichen Bereichen, ohne dass sich Bediener vor Ort aufhalten müssen. Makoto Kato, Director Solution Business Development Division bei Kobelco, stellte die Technologie vor und erläuterte deren praktische Anwendung.
Ein konkretes Anwendungsbeispiel liefert die Ukraine. Dort soll das K-Dive-System beim Wiederaufbau helfen, während der Krieg noch andauert und in vielen Gebieten Gefahr besteht. »KCM arbeitet mit japanischen Regierungsmitteln an einem Wiederaufbauprojekt in der Ukraine unter Einsatz von K-Dive«, sagt Kato. Nach Angaben des Herstellers ist eine K-Drive-Einheit bereits auf dem Weg nach Kiew und wird bis Ende 2026 für ein Trümmerbeseitigungsprojekt eingesetzt. Das Projekt wird mit japanischen Regierungsmitteln finanziert.
Für 2027 werden weitere Einheiten mit der japanischen Regierung abgestimmt. Die Technologie basiert laut Kobelco auf einem reaktiven Cockpit, das Rückmeldungen von Neigungen und Vibrationen der Maschine übermittelt. Zusätzlich werden Betriebsgeräusche wie Motor- und Hydraulikgeräusche sowie Huptöne an den Bediener weitergegeben. Ein Gesichtserkennungssystem verhindert eine unbefugte Bedienung, während eine Ablenkungserkennung die Maschinenhydraulik stoppt, wenn der Bedienerblick abschweift. Das System funktioniert über unterschiedliche Verbindungsarten. Für größere Entfernungen nutzt K-Dive Starlink-Satellitentechnologie oder Glasfaser-Internetverbindungen. Für kleinere Baustellen oder Demonstrationen reicht eine lokale WLAN-Verbindung mit einer empfohlenen Reichweite von bis zu 100 Metern.
Laut Kobelco bewährte sich das System bereits 2013 bei verheerenden Erdrutschen in Japan, wo Schutzbarrieren in Sperrzonen errichtet werden mussten. Die Mission konnte ohne Gefahr für Menschenleben abgeschlossen werden. »Japaner arbeiten immer, um etwas besser zu machen«, erläutert Xenia Kolijn, General Manager Brand Marketing and Communication. »Kaizen« sei das Motto – also der Wandel zum Besseren.
In Europa steht derzeit eine Einheit für Kundendemonstrationen am KCME-Hauptsitz in Lelystad oder direkt beim Kunden vor Ort zur Verfügung. Für 2026 plant Kobelco Einsätze auf Baustellen sowie die Sammlung von Kundenfeed-back zur weiteren Optimierung des Systems. Die Markteinführung ist für Ende 2027. Als ideale Einsatzorte nennt Kobelco Abfallentsorgungsanlagen, giftige oder gefährliche Umgebungen sowie Abbruchbaustellen.
Die Demonstration fand am neuen europäischen Hauptsitz von Kobelco Construction Machinery Europe (KCME) in Lelystad statt. Seit Juli 2025 nutzt dasUnternehmen die 30.000 Quadratmeter große Anlage. Das 17.500 Quadratmeter große Gebäudekomplex umfasst Büros, ein Technikzen-trum, Werkstatt, ein 12.000 Quadratmeter großes Ersatzteillager sowie einen 3.500 Quadratmeter großen Vorführbereich mit Sandgrube.
»Im Markt selbst gilt: In der Branche muss man Kobelco nicht erklären. Die Qualität gilt als legendär. Gerade Europa wird weiterhin als einer der anspruchsvollsten Märktegese-hen. Insbesondere im Heavy-Bereich wird sehr stark auf Qualität geachtet«, sagt Hanns Markus Renz, Business Director D-A-CH bei Kobelco Construction Machinery Europe.
Neben der Fernsteuerungstechnologie präsentierte Ko-belco am neuen Standort sein umfassendes Produktpro-gramm. Das Portfolio reicht von Minibaggern ab einer TonneBetriebsgewicht bis zu Abbruchmaschinen mit 136 Tonnen. Besonders im Abbruchsegment setzt das Unternehmen auf spezialisierte Lösungen: Die Demolition-Serie bietetMaschi-nen mit Reichweiten bis 40 Meter, während das NEXT-Sys-tem schnelle Wechsel zwischen verschiedenen Auslegerkonfigurationen ermöglicht.
Im Bereich der Straight-Boom-Modelle erweitert Kobelco das Angebot um Bagger mit geraden Auslegern als OEM-Standard. Diese Maschinen der Typen SK260LC-11E,SK300LC-11E und SK350LC-11E bieten nach Herstelleran-gaben eine um 25 Prozent höhere maximale Arbeitshöhe gegenüber Standard-Mono-Auslegern und eignen sich be-sonders für Abbrucharbeiten in mittleren Höhen.
Bei den Minibaggern liegt der Fokus auf der SR-Serie mit kurzem Heckradius. Das iNDr-System reduziert nach Anga-ben von Kobelco nicht nur die Geräuschemissionen erheblich, sondern vereinfacht auch die Wartung der Kühlkompo-nenten. Der neue SK165SRLC-7 ersetzt den SK140SRL-7 und bietet eine deutlich höhere Zugkraft von 194 kN gegenüber 153 kN beim Vorgängermodell.
Das Kranprogramm umfasst Modelle von 75 bis 250 Tonnen Tragkraft. Die CKE-G4-Serie setzt auf kraftstoffsparende Technologien wie die G-Engine-Funktion, die denVerbrauch laut Hersteller um mindestens zehn Prozent reduziert. Das KCROSS-Telematik-System ermöglicht die Fernüberwachung der Maschinen und zeigt Betriebsstatus, Wartungs-historie und Hubzeiten an.


