Zeppelin Lab GmbH

Innovative Lösungen für die Baustelle der Zukunft

Christian Marx (links) und Wulf Bickenbach (rechts) im Gespräch über die Visionen vom Berliner Zeppelin Lab Foto: Zeppelin Lab GmbH

klickrent und klickcheck haben es vorgemacht. Aus den Geschäftsmodellen für die Miete und Übergabe von Baumaschinen ist seit Oktober 2021 die Firma Accelerent entstanden. Ein großer Erfolg für das Z LAB, richtig?

Wulf Bickenbach: Das stimmt. Die Ausgründung unserer Ventures als eigenständige Firma ist ein Riesenerfolg. Die KollegInnen haben bereits im letzten Jahr einen Umsatz im einstelligen Millionenbereich erwirtschaftet und zielen in diesem Jahr auf eine Verdopplung ab. Für ein sogenanntes Scale-up ist das eine ziemlich große Hausnummer.

Erleben Sie und die im Z LAB verbliebenen Mitarbeiter nach dem Weggang der beiden Ventures nun eine Art Umbruchphase?

Bickenbach: Ich würde es eher Weiterentwicklung nennen. Wir wollen das Z LAB zukünftig weiter als Brückenkopf in die Start-up-Welt ausbauen und unsere über Jahre aufgebaute Expertise teilen, um auch jungen externen Start-ups den Zugang zum Markt erleichtern. Doch zunächst einmal konzentrieren wir uns auf zwei unserer eigenen Ventures und treiben die Ausgründung von akii und zamics voran.

Was muss passieren, damit die beiden Ventures ausgegründet werden können?

Bickenbach: Zunächst muss sicher sein, dass es sich jeweils um tragfähige Geschäftsmodelle handelt, die skalierbar sind und aus sich selbst heraus gesund wachsen.

Anna Hudalla: Wir haben uns bei zamics ein Umsatzziel im sechsstelligen Bereich gesetzt. Ende 2022 wollen wir dann bewerten, ob zamics reif dafür ist, „auszuziehen“, um als eigenständiges Unternehmen auf dem Markt zu bestehen.

Christian Marx: Zum Prozess der Inkubation gehört, dass sich ein Start-up in einem geschützten Umfeld beweisen kann. akii und zamics haben hier im Z LAB die Möglichkeit, sich auszuprobieren, bevor sie auch rechtlich und finanziell gesehen als Unternehmen auf eigenen Beinen stehen werden.

Bleiben wir bei zamics: Inwiefern kann das System Bauunternehmen dabei helfen, effizienter zu arbeiten?

Hudalla: Aus Studien und von der Baustelle wissen wir, dass die Verantwortlichen dort bis zu 30 Prozent ihrer Arbeitszeit mit dem Suchen nach Geräten verbringen. Mit zamics sehen sie immer, auf welcher Baustelle sich das Arbeitsmittel befindet und ob es verfügbar ist. So sparen sie Zeit und Geld.

Anna Hudalla leitet die Produktentwicklung des Start-ups zamics. Foto: Zeppelin Lab GmbH

Für die digitale Erfassung werden die Geräte mit Transpondern ausgestattet. Ab welchem Wert lohnt sich die Verwendung von Transpondern?

Bickenbach: Der Wert des Geräts ist nicht unbedingt ausschlaggebend. Sinnvoll ist die digitale Erfassung zum Beispiel schon bei Lastketten für Kräne, die regelmäßig einer Sicherheitsprüfung unterzogen werden müssen. Beim Abscannen sehe ich direkt, ob eine Tragfähigkeitsprüfung ansteht.

Können die Transponder auch den exakten Standort der Arbeitsmittel senden?

Hudalla: Technisch ist es machbar. Was die Software angeht, könnten wir das aktive Tracking sofort umsetzen. Aktuell bieten wir es aber noch nicht an, und das liegt vor allem am Preis. Denn selbst ein günstiger aktiver Transponder kostet derzeit rund 65 Euro, ein passiver Transponder nur drei Euro. Aktuell wäre es noch zu teuer, alle Arbeitsmittel damit auszustatten. Wir wissen, dass vielen Nutzern eine genaue Ortung sehr wichtig ist, zum Beispiel um Diebstähle zu verhindern. Deshalb arbeiten wir an einer entsprechenden Lösung. Sobald es die passende Hardware auf dem Markt gibt, werden wir das aktive Tracking ins zamics System integrieren.

Das wäre ein weiterer Schritt hin zum „Internet der Dinge“.

Bickenbach: Auch der Einsatz der passiven Transponder entspricht schon der Idee des Internets der Dinge. Denn für jedes Werkzeug oder jede Maschine wird ein digitales Pendant angelegt. Aber aktuell braucht es noch den Menschen, um die Daten auszulesen. Die Vision ist allerdings eindeutig, dass die Geräte aktiv ihren Standort senden.

Marx: Ein spannendes Szenario der smarten Vernetzung von Objekten und Maschinen auf der Baustelle wäre zum Beispiel auch ein Transponder am Bauzaun, der automatisch meldet, wenn er umgefallen ist. Heute müssen zur Überprüfung, ob der Bauzaun noch steht, Begehungen gemacht werden. Das digital tracken zu können wäre sehr hilfreich. Solche Anwendungen werden wir mit zunehmender Technologiereife ganz sicher in Zukunft auf Baustellen sehen.

Für welche Bauunternehmen lohnt sich der Einsatz von zamics denn am meisten?

Hudalla: Für Bauunternehmen, die mehrere Lager betreiben oder generell auf vielen Baustellen gleichzeitig arbeiten und mit Excel-Listen hantieren. Diese Firmen profitieren am meisten von unserer Lösung.

Gibt es ein übergeordnetes Ziel, das die Produkte aus dem Z LAB verbindet?

Marx: Mit unseren Lösungen wollen wir dazu beitragen, die Digitalisierung der Baubranche voranzutreiben, um somit Bauprozesse effizienter zu gestalten.

Bickenbach: Alle unsere Ventures unterstützen diese Prozesse. zamics als effiziente Lösung für das Gerätemanagement und akii als intelligenter, digitaler Schlüsselbund für die Baustelle sind wichtige Bausteine, um Abläufe auf Baustellen zu vereinfachen. Langfristig wollen wir nach und nach ein Portfolio an digitalen Lösungen entlang der gesamten Wertschöpfungskette der Bauindustrie aufbauen.

Ist das Ihre Vision?

Bickenbach: Zum Teil ja. Operativ gesehen wollen wir unsere Ventures erfolgreich zu eigenständigen Unternehmen entwickeln. Aber wir haben auch die übergeordnete Vision, dass wir durch unser Tun und unsere Lösungen dazu beitragen, den Wandel zur automatisierten Baustelle voranzutreiben.

Marx: Genau. Wir wollen Bauunternehmen fit für das Bauen der Zukunft machen. Dazu gehört, dass wir als Vermittler fungieren, um die verschiedenen Akteure der Bauindustrie zusammenzubringen.

Das klingt alles sehr uneigennützig. Was ist dabei für das Z LAB drin?

Marx: Selbstlos ist dieser Ansatz natürlich nicht. Keiner von uns kommt direkt vom Bau, auch wenn wir mittlerweile viel Bauwissen haben. Aber wir sind Experten in der Gestaltung von digitalen Produkten und deren Geschäftsmodellen. Das heißt, wir brauchen engen Kontakt zu Experten in der Branche, um unsere Produkte entwickeln zu können. Gleichzeitig sind wir davon überzeugt, dass wir die Herausforderungen der Bauindustrie nur zusammen lösen können.

Bickenbach: Für uns ist es natürlich von Vorteil, in die Rolle des „Vernetzers“ in dieser großen Branche zu schlüpfen. Es ist spannend, unser Netzwerk zu erweitern und wichtige Kontakte zu Bauunternehmen, Bauzulieferern, Architekten oder Planungsbüros zu knüpfen. Davon versprechen wir uns spannende Projekte und Inspirationen für die weitere Entwicklung innovativer Produkte.

Vielen Dank für das Gespräch!

Wulf Bickenbach

Wulf Bickenbach ist seit Oktober 2021 alleiniger Geschäftsführer der Zeppelin Lab GmbH. Bereits im August 2018 wurde er als Director New Digital Ventures Mitglied der Geschäftsleitung. Er studierte an der Universität Potsdam BWL und war dort am Lehrstuhl für Organisation und Personalmanagement als wissenschaftlicher Mitarbeiter tätig. Als Gründungsberater baute er mit Potsdam Transfer die zentrale Institution für den Wissens- und Technologietransfer an der Uni Potsdam mit auf, die er bis zu seinem Einstieg ins Z LAB 2017 als Geschäftsführer leitete.

Anna Hudalla

Anna Hudalla leitet im Z LAB die Produktentwicklung des Start-ups zamics. Sie studierte Psychologie in den Niederlanden und England und hat einen Master-Abschluss im Studiengang Human Factors der TU Berlin, der sich mit der Mensch-Technik Interaktion beschäftigt. Im Z LAB baute sie zunächst ein User Experience- und Design-Team auf.

Christian Marx

Christian Marx ist seit Anfang 2022 als Lead Open Innovation & Start-up Collaboration für die Weiterentwicklung der Ideen in der Zeppelin Lab GmbH verantwortlich. Er hat einen Bachelor und Master in Wirtschaftsinformatik der Universität Potsdam. Als Innovationsberater bei Potsdam Transfer betreute er vor seinem Wechsel ins Z LAB rund 170 Gründerinnen & Gründer. Er ist Experte in der Anwendung kreativer Designtechniken und Lean-Methoden und begleitet auch die beiden Ventures akii und zamics auf ihrem Weg zur Ausgründung.

Weitere Informationen zum Z LAB und den Ventures finden Sie unter www.z-lab.com.

YouTube-Link zum zamics Porträt:

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