Transformation zum Generaldienstleister

Digitalisierung als Schlüssel

Max Lorenz Hagenbeck (r.) und Jonas Plett (l.) sind beim Hamburger Unternehmen Günther Meyer eingestiegen, das sie in Richtung Digitalisierung transformieren wollen. Hierzu soll auch die neue Flotte an Cat-Baumaschinen beitragen, die Michael Otto (M.), leitender Vertriebsrepräsentant der Zeppelin-Niederlassung Hamburg, lieferte. Fotos: Caterpillar/Zeppelin/Günther Meyer

"Unsere Infrastruktur ist in die Jahre gekommen. Hier gibt es die nächsten Jahrzehnte einen massiven Erneuerungsbedarf. Doch auch nicht nur aufgrund des Alters stehen wir vor großen Bauaufgaben, sondern auch die Bevölkerung ist gewachsen und viele Leitungen sind unterdimensioniert. Sie können den heutigen Bedarf in Zukunft nicht mehr vollumfänglich abdecken. Zusätzlich spielt die Begrünung des innerstädtischen Raums eine immer wichtigere Rolle als Katalysator verschiedenster menschengemachter Umwelteinflüsse", ist Geschäftsführer Max Lorenz Hagenbeck überzeugt, der zusammen mit Jonas Plett das Hamburger Unternehmen Günther Meyer fortführt.

Sie sehen nicht nur dort Wachstumschancen, sondern haben auch eine klare Zukunftsvision, wie sie das alteingesessene Bauunternehmen in Richtung Digitalisierung transformieren können. Erste Erfolge haben sich laut eigener Aussage schon eingestellt: Die digitale Ausrichtung habe bereits in kürzester Zeit dazu geführt, einen Rahmenvertrag eines großen städtischen Versorgungsunternehmens an Land zu ziehen.

"Unsere Idee ist: Wir wollen einen Generaldienstleister aufbauen", erklärt Hagenbeck. Das Kerngeschäft erstreckt sich über die Geschäftsbereiche Garten- und Tiefbau sowie Elektrotechnik, die im Ballungsraum Hamburg bis nach Lüneburg, Stade und Neumünster ausgeführt werden. Durch die Einführung von Umwelt-, Gesundheits- und Qualitätsmanagementsystemen sollen die Geschäftsbereiche weiter professionalisiert werden, um das Wachstum zu beschleunigen.

Nur so sei es möglich gewesen, den Geschäftsbereich Elektrotechnik seit diesem Jahr neu aufzubauen. "Dieser Bereich erfordert ganz speziell geschultes Personal. Ohne eigene Elektrotechnik ist die Erschließung der Ladeinfrastruktur für private oder öffentliche Auftraggeber genauso unmöglich wie die Installation von Photovoltaik-Anlagen auf Dachgärten", erklärt Hagenbeck. In kurzer Zeit ist es den beiden Jungunternehmern Hagenbeck und Plett gelungen, das Team von 15 Mitarbeitenden auf eine Belegschaft von 50 Personen auszubauen.

"Wir haben eine junge Denkweise und sind absolut IT-affin. Natürlich brauchen wir Mitarbeiter mit fachlicher Qualifikation für unsere operativen Aufgaben, wie Bauleiter, die technische Studiengänge absolviert haben müssen", erläutern die Firmenchefs. "Was jedoch viele neue und junge Mitarbeiter aus anderen Berufszweigen zu uns zieht, hat neben der Digitalisierung weitere Gründe – wie modernste Baumaschinen, umfassende Ausstattung an Arbeitskleidung, ein offenes Betriebsklima oder einfach die Möglichkeit, aktiv die Transformation mitzugestalten. Ideen werden gehört und umgesetzt." Gemeinsam verfolgen sie den Ansatz, möglichst viele Prozesse und Abläufe zu standardisieren und anschließend digital abzubilden, um sie zu automatisieren.

"Verwaltungsaufgaben werden durch die Bürokratie immer mehr – auch sicherheitstechnische Themen gewinnen an Bedeutung. Gleichzeitig fordern die Märkte immer mehr Ressourcen, denen jedoch immer weniger Fachkräfte gegenüberstehen. Einer der wesentlichen Schlüssel da gegenzusteuern, ist Digitalisierung. Doch viele Firmen reduzieren Digitalisierung auf die reine Zeiterfassung per App. Bei uns greift das viel weiter. Wir streben die Gesamtsteuerung des Unternehmens an", betont Hagenbeck. Das betreffe insbesondere die Vernetzung von Aufgaben und Baumaschinen sowie das komplette Baustellenmanagement. Im Kern dreht sich alles um Daten, die in einem Produktionsplanungssystem (PPS) bei der Planung, operativen Steuerung und Überwachung der Bauprojekte erfasst und ausgewertet werden.

Wichtig ist für das Unternehmen das Flottenmanagement Vision Link. Dieses nutzt die Firma, um Betriebsstunden, Leerlaufzeiten und Kraftstoffverbrauch der Baumaschinen auszuwerten. Abb.: Caterpillar

"Das führt dazu, dass wir ein anderes Anforderungsprofil an einen Bewerber stellen als eine traditionelle Baufirma. Bei uns muss niemand ein IT-Studium absolviert haben, aber er sollte bereit sein, Dinge auszuprobieren und damit auch spielen zu wollen. Das bietet neue Möglichkeiten: Jeder kann sich weiterentwickeln und hat die Chance, eine höhere Position zu erlangen – ein ursprünglicher Eisenflechter kann durch Qualifikation sich so bis zum Vorarbeiter hocharbeiten", berichtet der Jungunternehmer.

In den vergangenen eineinhalb Jahren haben die Verantwortlichen laut eigener Aussage rund 250 000 Euro investiert und zwei IT-Experten eingestellt, die sich um die Schnittstellenkoordination kümmern und logische Verknüpfungen zwischen den Prozessen schaffen. Zentrales Element ist dabei eine Projektverwaltung mit integriertem Produktionsplanungssystem, über das die Arbeitsgeräte den jeweiligen Baustellen zugeordnet werden. Hinterlegt ist der zeitliche Rahmen. Etwa, wie lange ein Bagger für die anstehenden Aufgaben benötigt. Daran gekoppelt ist die Logistik, welche die Transporte der Baumaschinen in die Wege leiten muss, aber auch die Lieferung der benötigten Ressourcen mit einbezieht. Von jeder Baumaschine bis hin zur Rüttelplatte werden die Daten per GPS erfasst. Dazu hat die Firma in jedes Gerät einen Tracker eingebaut. Mittels personalisierter Transponder können die Mitarbeitenden nun Maschinen sowie Geräte entleihen und starten. Sie werden außerdem über bevorstehende Ablaufdaten der Sicherheitsunterweisungen informiert, um sich rechtzeitig zur Nachschulung anzumelden.

Nebenbei erfolgt die Zeiterfassung automatisiert. Möglich machen das die Log-in-Prozesse den Maschinen oder Geräten. "Unser System prüft anhand der Daten permanent, ob unsere Kalkulation noch gilt und das Projekt innerhalb des kalkulierten Kostenrahmens liegt und die Bauzeit eingehalten werden kann", erklärt Jonas Plett. Auch die durchgeführten Arbeitsschritte werden aufgezeichnet und dokumentiert. So lässt sich im Nachgang genau feststellen, wie viel Kubikmeter Schottertragschicht eingebaut oder wie viele Bäume gepflanzt wurden.

Wichtig ist dabei das Flottenmanagement Vision Link. Dieses nutzt die Firma, um Betriebsstunden, Leerlaufzeiten und Kraftstoffverbrauch der Baumaschinen auszuwerten. Deshalb sei es einer der wesentlichen Gründe gewesen, auf Cat-Baumaschinen zu setzen.

Im Zuge ihrer Generalunternehmer-Strategie ließen Hagenbeck und Plett es sich nicht nehmen, den Maschinenpark vollumfänglich zu mordernisieren. Neben der Beschaffung eines eigenen Saugbaggers investierten sie in elf Cat-Minibagger des Typs 301.8, einen Kurzheckbagger 308CR, einen Mobilbagger des Modells ZM 110, drei Cat-Radlader der Bezeichnung 906M und zwei Radlader des Typs 910 sowie sechs Wacker-Neuson-Kettendumper DT23. Zweischalengreifer, Mischschaufeln, Tief- und Drainagelöffel, Kombischaufeln und Palettengabeln mit Niederhalter vervollständigen das Paket.

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