IT-Kompetenz

Digitales Stadtgrün

Mit einer guten IT-Infrastruktur können Grünverwaltungen schnell auf Änderungen reagieren und ein gutes Qualitätsmanagement gewährleisten.Foto: Moritz Lösch, Stadt+Grün

Grüne Infrastruktur und die Geschäftsprozesse zur Arbeitsvorbereitung und operativen Steuerung digital abzubilden, ist eine der Herausforderungen, der sich die kommunalen Verwaltungen stellen müssen, um die notwendige Transparenz in betriebswirtschaftlichen Abläufen zu erhalten und den Bestand der Grünflächenämter langfristig abzusichern. In der Realität finden die notwendigen organisatorischen Umbauprozesse, die zum Beispiel in der Wirtschaft schon vor vielen Jahren vollzogen wurden, kaum statt. Beratungsleistungen zur Einführung digitaler Systeme werden von zum Teil branchenfremden Beratungsunternehmen erbracht und begleitet. Weil hier Strategien fehlen und die komplexen Zusammenhänge im Rahmen der Grünunterhaltung nicht verstanden werden, ergeben sich prekäre Situationen für den Lieferanten von digitalen Systemen und deren Anwender.

Im September schaut die Fachwelt wieder zur GaLaBau nach Nürnberg. Die neuesten Maschinen, Fahrzeuge und Produkte werden zur Schau gestellt. Alles entwickelt sich rasant, nur bei der Steuerung der eigenen Ressourcen teilen die Meister die Arbeitskräfte wie vor 20 Jahren ein und kaum eine Verwaltung schafft es aus Kapazitätsgründen, die Leistungen Dritter ordnungsgemäß abzunehmen. Wenn der Gebrauchsrasen nur noch sechsmal gemäht wird, kann von Fachlichkeit keine Rede mehr sein. Egal wie man in Zukunft die Grüne Infrastruktur bewirtschaftet, es müssen die betriebswirtschaftliche, die digitale und die fachliche Kompetenz erfüllt sein und von digitalen Fachanwendungen unterstützt werden, um eine langfristige Stabilität bei der Planung und Umsetzung der Instandhaltung der öffentlichen Freiräume zu erreichen.

Betriebswirtschaftliche Kompetenz

Die personellen Ressourcen bei der Grünunterhaltung sind nur planbar, wenn dazu eigene belastbare Kennwerte vorliegen. Kennwerte kann kein Berater mitbringen, sie müssen für die eigenen Einsatzbereiche erarbeitet werden. Mit Hilfe von Spots und einer vorhandenen Pflegestrategie, die im günstigsten Fall Bestandteil eines Masterplans "Grüne Infrastruktur" ist, werden betriebswirtschaftliche Kennzahlen erarbeitet. Der neue Objektartenkatalog OK FREI 2016 und Signaturenkatalog SK FREI der FLL, die Bestandteile der Empfehlungen für die Planung, Vergabe und Durchführung von Leistungen für das Management von Freianlagen sind, bieten eine gute strukturelle Grundlage. Die Verarbeitung der eigenen Kennwerte in geeigneten digitalen Systemen bietet die Chance, Planungsszenarien und -varianten zu veranschaulichen und zu optimieren, die Disposition von Arbeitskräften, Fahrzeugen und Material vorzunehmen sowie die Steuerung und das Management der operativen Bereiche zu ermöglich. Dazu ist es notwendig, die geeigneten Planstellen für Betriebswirtschaft und Logistik sowie Controlling und Qualitätsmanagement zu schaffen.

Digitale Kompetenz

Viele Fach-Verwaltungen haben keine eigene digitale Kompetenz. Sie sind an Regeln zentraler IT gebunden, die oftmals jegliche Form einer medienbruchfreien digitalen Arbeit unmöglich machen. Auch der Einkauf von Software wird zentral organisiert und gesteuert, so dass im Endeffekt möglichst viele Anwender in einer Verwaltung, egal ob Liegenschaftsamt oder Grünflächenamt mit dem gleichen System arbeiten. Das führt zu flachen, nicht unbedingt fachspezifischen Lösungen, deren gemeinsame Plattform ein grafisches Informationssystem (GIS) in Form einer Karte ist. Mit eigener digitaler Kompetenz für die Verwendung von Sach- und Geodatendaten besteht die Möglichkeit, neben arbeitsunterstützenden Fachanwendungen auch den operativen Bereich, der zu 75 Prozent außerhalb der städtischen IT-Infrastruktur tätig ist, mit modernen mobilen Arbeitsmitteln besser auszustatten und auf Veränderungen schneller zu reagieren.

Fachliche Kompetenz

Gute Mitarbeiter sind die wichtigste Grundlage einer funktionierenden Struktur. Gärtner bilden das Rückgrat zur Erhaltung und Entwicklung der grünen Infrastruktur. Ihre Wertschätzung, ihr Auftreten in der Öffentlichkeit und ihre Erfahrungen tragen sehr stark zum eigenen Image bei. In die Planungsprozesse müssen die Erfahrungen der eigenen Mitarbeiter eingebunden werden. Jeder Neubau und jede Sanierung sollte bereits in der Planungsphase durch den operativen Bereich bestätigt werden.

Die fachliche Kompetenz ist in den meisten Verwaltungen gegeben. Sie allein reicht aber nicht aus, um die betriebswirtschaftlichen Belange und die damit verbundenen Notwendigkeiten den Gemeindevertretern zu erklären. Ob die zukünftige Instandhaltung der grünen Infrastruktur in eigener Regie oder in Form eines Eigenbetriebs erfolgt oder teilweise oder vollständig vergeben wird, hängt im Wesentlichen davon ab, wie gut man Eigenleistung verkauft und wie digitale Planungs- und Steuerungsinstrumente die jeweiligen Argumente stützen. Das digitale Stadtgrün ist keine Option, sondern Notwendigkeit. Mit der Einführung neuer digitaler Instrumente müssen Steuerungsprozesse neu definiert und an zukünftigen Belangen ausgerichtet werden. Dipl.-Ing. Ralf Semmler

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