Premiere für neues Format

"BIM-Tag Deutschland" legte Fokus auf Nachhaltigkeit

Berlin. – Am 12. und 13. Oktober feierte der "BIM-Tag Deutschland" Premiere. Insgesamt 50 Sprecher und je nach Vortrag bis zu 290 Teilnehmer diskutierten im virtuellen Raum über die größten Herausforderungen für die Bau- und Immobilienbranche angesichts der fortschreitenden Digitalisierung. Im Vorfeld der Veranstaltung gaben sieben der Redner Pressevertretern eine kurze Einschätzung zur aktuellen Lage in Sachen BIM in Deutschland sowie einen Überblick darüber, wie die Implementierung digitaler Lösungen den Baubereich positiv beeinflussen und auch im Kampf gegen den Klimawandel unterstützen können.

Bereits bevor Corona das Ausrichten von Tagungen und Messen nahezu unmöglich gemacht hat, war für die Veranstalter des ersten "BIM-Tag Deutschlands" klar, dass das Event größtenteils im virtuellen Raum stattfinden soll. "Man kann nicht auf der einen Seite für Digitalisierung und Nachhaltigkeit werben, aber auf der anderen Seite dafür quer durchs Land reisen", fasste es Ralf-Stefan Golinski, Moderator der Pressekonferenz, Leiter und Mitinitiator des "BIM-Tag Deutschland", Initiator des beim BIM-Tag Deutschland erstmals stattfindenden Verbandgipfels und Mitgründer der RealDigital Gruppe zur Begrüßung zusammen. Deshalb habe man sich bereits direkt zu Beginn der Planungen darauf geeinigt, den "BIM-Tag Deutschland" als ein Hybrid-Format aufzuziehen. Soll heißen, bereits lange bevor die Pandemie zahlreichen Messeveranstaltern für klassische Präsenzveranstaltungen einen Strich durch die Rechnung gemacht hat, waren sich die Ausrichter darüber einig, das Event zu 90 Prozent virtuell abzuwickeln. Nur 10 Prozent der Teilnehmer sollten vor Ort sein.

Erfolgreicher Verbandsgipfel

Durch das erneute Ansteigen der Infektionszahlen seit August entschieden sich die Veranstalter schließlich sogar dazu, das Event zu 99 Prozent virtuell auszurichten.

"Wir haben nun den Launch in einem ganz kleinen Team aus dem Studio in Berlin gemacht – alles andere lief komplett online", erklärte Dr. Josef Kauer, Geschäftsführer der RealDigital Gruppe, Veranstalter und Mitinitiator des "BIM-Tag Deutschland". Die zweitägige Veranstaltung ruhte auf zwei Säulen. Diese bildeten zum einen der bislang größte Verbandsgipfel (insgesamt 33 Verbände nahmen daran teil) und zum anderen eine virtuelle Messe – sozusagen ein digitaler Zwilling einer klassischen Ausstellung – bei der sich jedes Unternehmen individuell vorstellen konnte. "Die virtuelle Messe hat einen großen Anklang gefunden", sagte Kauer. Rund 53 Unternehmen hatten sich daran beteiligt. Insgesamt nahmen laut Angaben der Veranstalter rund 1700 Personen an den zahlreichen Diskussionsforen online teil.

Dr. Jan Tulke, Geschäftsführer planen-bauen 4.0, Gesellschaft zur Digitalisierung des Planens, Bauens und Betreibens, ging bei der Pressekonferenz als ideeller Partner der Veranstaltung vor allem darauf ein, wie der Bund aktuell bereits zahlreiche BIM-gebundene Projekte unterstützt. Er sah deshalb eine besondere Wichtigkeit darin, über die unterschiedlichen Unterstützungsmaßnahmen zu informieren: "Mit Hilfe des Bundes sind heute dank Engagement und Expertise namhafter Unternehmen und Vertretern aus der Wissenschaft Projekte realisiert worden, die konkreten Nutzen für die Marktteilnehmer in ihrer Transformation zur Digitalisierung eröffnen. Die damit einhergehenden Vorteile für ihre Wettbewerbsfähigkeit am Standort Deutschland sind jedoch oftmals noch zu wenig bekannt." Das müsse sich ändern, so der Experte. Der Bund spiele hier eine wichtige Rolle, da er eine Vorbildfunktion einnehme.

Den deutschen Digitalisierungs-Dschungel erfolgreich zu navigieren kann mitunter einem Blindflug gleichkommen, deshalb sollte der "BIM-Tag Deutschland" auch für Überblick sorgen. Für Thomas Kirmayr, Leiter Mittelstand 4.0 Kompetenzzentrum Planen und Bauen, Organisator des Verbandsgipfel s und ideeller Partner des Events bedeutete dies vor allem, kleine und mittelständische Unternehmen bei BIM oder generell der Digitalisierung von Prozessen zu unterstützen. "Als vom Bundesministerium für Wirtschaft und Energie gefördertes Mittelstand 4.0 Kompetenzzentrum Planen und Bauen setzen wir uns dafür ein, gerade kleine und mittlere Unternehmen in ihrer Transformation in die Digitalisierung zu unterstützen – neutral und anhand von qualifizierten Beispielen aus der Praxis. Digitalisierung darf kein Selbstzweck sein, sondern muss die Voraussetzung zur zukünftigen Wettbewerbsfähigkeit durch bessere und effizientere Prozesse schaffen. Nachhaltiges Handeln braucht Information, die meist wiederum in aufwändige und oft komplexe Nachweisprozesse mündet. Die Digitalisierung muss diese Prozesse automatisieren und vereinfachen, so dass die Betriebe sich auf die Qualität ihrer Produkte und Arbeit konzentrieren können. Gleichzeitig muss die Modernisierung der Arbeitsprozesse für mehr Attraktivität in der jungen Generation sorgen und mit neuen Medien wie Videos oder digitalen Modellen zur Qualifizierung beitragen."

In seinen Ausführungen kam Kirmayr dabei auch darauf zu sprechen, dass er eine heterogene Landschaft an Lösungs-Anbietern begrüßt: "Unser Ziel ist es die Digitalisierung und damit BIM zum Erfolgsmodell zu machen. Das aber gerne kleinteilig. Soll heißen, lieber in Zusammenarbeit mit vielen kleinen Playern als mit nur drei großen Anbietern." In diesem Bereich sei es notwendig, agil und fragmentiert reagieren zu können. In Deutschland sei dies möglich, da es viele kleine Anbieter gebe. Die größte Herausforderung sieht Kirmayr hier darin, alle diese Player zusammenzubringen.

In dieser Annahme stimmte er mit René Schumann, Geschäftsführer Hochtief ViCon und RealDigital-Leader überein. Für ihn ist es dabei wichtig, nicht nur über Produkte, sondern über Prozesse zu sprechen. Um eine erfolgreiche Abwicklung mittels BIM zu gewährleisten, benötige es Kollaborationen statt Einzelkämpfern.

Auch Dr. Christine Lemaitre, Teil des geschäftsführenden Vorstands des DGNB (und ebenfalls ideeller Partner des "BIM-Tag Deutschland") schätzt die Situation ähnlich wie Kirmayr und Schumann ein. Auch sie sieht im Zusammenbringen unterschiedlicher Akteure auf ein gemeinsames Ziel als einen der wichtigsten Zwischenschritte im Bezug auf die Digitalisierung im Allgemeinen, ganz konkret jedoch hinsichtlich des Klimaschutzes an. "Die Nachhaltigkeit ist das wichtigste Thema unserer Zeit. Schon seit gut 13 Jahren setzen wir uns als DGNB konkret dafür ein, die Immobilien- und Baubranche nachhaltiger zu machen. Mit der Digitalisierung ergeben sich hier neue Möglichkeiten, die es zu prüfen und einzuordnen gilt. Als DGNB begleiten wir diesen Weg mit unserer Expertise zur Nachhaltigkeit sehr gerne. Nicht zuletzt um dabei zu helfen, dass Rad nicht wieder neu zu erfinden – denn nachhaltig Bauen, das geht schon heute", sagte Lemaitre. Digitalisierung und Nachhaltigkeit dürften sich nicht widersprechen, sondern müssten sinnvoll ineinander greifen. Das beinhalte beispielsweise bei Gebäuden Lebenszyklusaspekte von Anfang an in den Blick zu nehmen. Nur wenn man etwa die realen Verbräuche kenne und verifizierte und transparente Daten erhebe, könnten auch wirklich differenzierte Entscheidungen getroffen werden, so Lemaitre.

Nachhaltiges Bauen vorantreiben

In ein ähnliches Horn stieß bei der Pressekonferenz auch Marcus Todt, Mitglied der Geschäftsleitung bei intecplan (LIST Gruppe) und RealDigital-Leader. Man müsse das nachhaltige Bauen weiter vorantreiben. Insbesondere bei Revitalisierungen fehlten jedoch die notwendigen Datensätze, kritisierte er. Seiner Ansicht nach biete die Planung mit BIM hier große Vorteile, da der digitale Zwilling vieles erleichtere und schneller festgestellt werden könne, was an einem Gebäude effizient ist und was nicht. Das Problem bestehe aktuell vor allem darin, dass nach der Gebäudeübergabe meist ein "Cut" erfolge und die BIM-Daten für das Facility Management derzeit noch kaum genutzt werden. "Wir können nicht mehr so weiter machen wie bisher. Um einen Wandel hin zu mehr Nachhaltigkeit zu schaffen, wird Digitalisierung zentral sein. In der LIST Gruppe nehmen wir unsere Verantwortung ernst und treiben diese Entwicklung voran. Bei intecplan fokussieren wir uns zum Beispiel auf die Gebäudetechnik, die eine wesentliche Stellschraube für nachhaltigere Immobilien darstellt. Durch Digitalisierung können wir umweltfreundliche Alternativen in der Planung berücksichtigen und sparen dadurch sowohl Ressourcen als auch Zeit und Geld. Mit LIST Digital haben wir in der Gruppe zudem einen Ingenieurdienstleister, der bei der Implementierung von digitalen Methoden im Lebenszyklus von Immobilien und Infrastruktur, insbesondere im Planungs- und Bauprozess, unterstützt. Zudem übernimmt das Unternehmen digitale Services und verantwortet die BIM-basierte Planung von Infrastrukturprojekten", fasste es Todt zusammen.

Um den oben angesprochenen Cut zwischen Bau und Betrieb eines Gebäudes zu verhindern, bedarf es nach Ansicht der Experten auch neuer Berufsbilder. Darüber sprach Markus Werner, Gründer und Beirat MeteoViva und RealDigital-Leader. "Wir brauchen vernetzte Denker", sagte er bei der Pressekonferenz und meint damit Experten, die die nun teilweise hoch technologisierten Gebäude in Zukunft auch effizient betreiben können. Fachgrenzen müssten hier überschritten werden, so Werner. Einen ersten Schritt diesem Mangel entgegenzuwirken, hat die Universität Aachen gemacht. Die Hochschule hat einen Smart-Building-Engineering-Studiengang ins Leben gerufen.

Davon benötige es bundesweit noch mehr, so die Einschätzung Werners: "Nachhaltigkeit ist keine reine emotionale Absichtserklärung mehr, sie ist ein knallharter Wirtschaftsfaktor geworden. Bis 2050 müssen Immobilien klimaneutral sein. Dies soll mit belastbaren Messdaten jährlich wiederkehrend dokumentiert werden.

Durch eine kontinuierliche Betriebsoptimierung lassen sich signifikant CO2-Emissionen und Betriebskosten – im Bestand bis zu 40 Prozent – einsparen, ohne dass der Nutzerkomfort leidet. Nachhaltigkeit ist aber über den ganzen Lebenszyklus zu denken. Und zwar von dem ersten Entwurf des Architekten, über die Planungsphase bis hin zum laufenden Betrieb eines Gebäudes. Alle Prozessschritte sind dabei über Datenströme miteinander verknüpft – im Mittelpunkt steht der digitale Zwilling der realen Immobilie, der es – wie bei MeteoViva praktiziert – erlaubt den Betrieb des Gebäudes zu prognostizieren, zu optimieren und so bestmöglich zu steuern. Das in Summe steigert nachhaltig den Wert der Immobilie."

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