Gemeinschaftsprojekt Züblin und Instatiq
Betondruck auch für große Gebäude getestet
Das Bauunternehmen Züblin und der Technologieanbieter Instatiq bringen den 3D-Betondruck nach eigenen Angaben nun in die Baupraxis für Projekte jedweder Größe.

Auf einem rund 3000 Quadratmeter großen Gelände in Metzingen entstehen derzeit drei Mehrfamilienhäuser mit insgesamt 44 Wohneinheiten mithilfe des 3D-Druckverfahrens. Foto: Züblin/Instatiq
Stuttgart (ABZ). – Beim Neubau von drei Mehrfamilienhäusern der GWG – Wohnungsgesellschaft Reutlingen in Metzingen-Neugreuth erlebe das 3D-Betondruckverfahren seine Premiere in dieser Größendimension – das habe Signalwirkung für die gesamte Baubranche.
"Mit dem 3D-Betondruck holen wir ein innovatives und automatisiertes Verfahren direkt auf die Baustelle", erklärt Chris Brandstätt, Gruppenleiter für Prozessplanung im Baubetrieb bei Züblin.
"Die tragenden Wände des Geschosses stellen wir damit in nur vier Tagen hin. Ein Kubikmeter gedruckte Massivwand benötigt nur die Hälfte der Zeit eines konventionellen Baus von Kalkstein-Mauerwerk, wie er in den anderen Stockwerken zum Einsatz kommt. Damit sparen wir nicht nur Zeit, sondern reagieren auch auf den immer stärkeren Fachkräftemangel." Mitarbeiter profitierten darüber hinaus von besseren Arbeitsbedingungen mit weniger Staub und Lärm.
Fabian Schüler, Finanzchef von Instatiq, betont: "Der enorme technische Vorteil gegenüber anderen 3D-Betondruckern ist, dass wir massive Wände und nicht nur Schalungen drucken – und das direkt mit Material aus einem konventionellen Betonmischer."
Es müssten keine speziellen Baustoffe über weite Strecken angeliefert werden. Die finanziellen Einsparungen lägen auf der Hand. Gleichzeitig füge sich das Gerät hervorragend in die Arbeitsabläufe auf der Baustelle ein und habe mit dem 26-Meter langen, automatisch gesteuerten Auslegerarm eine enorme Reichweite."
In Metzingen wird derweil das oberste Stockwerk eines der viergeschossigen Gebäude direkt auf der Baustelle gedruckt. Ein automatisch gesteuerter Mastausleger des Betondruckers Instatiq P1 trägt Beton Schicht für Schicht auf. Die gedruckten Wände erreichen eine Höhe von bis zu drei Metern und eine Stärke von 16,5 bis 19 Zentimetern.
Gefertigt wird mit einer Geschwindigkeit von bis zu 10 Zentimetern pro Sekunde und einer maximalen Leistung von 2,5 Kubikmetern pro Stunde Das Verfahren steht laut Hersteller für eine konsequente Digitalisierung des Bauprozesses. Baupläne müssten nicht mehr ausgedruckt werden, was die Fehleranfälligkeit reduziere, und die Qualitätssicherung verbessere. Gedruckt wird mit einer Betonrezeptur, die rund 20 Prozent weniger CO2-Emissionen verursache als klassisches Kalksteinmauerwerk.
Florian Bertz, Technik-Abteilungsleiter der GWG Reutlingen, meint: "Als Bauherr sehen wir unsere Aufgabe nicht nur darin, Gebäude zu errichten, sondern auch Räume für Innovation zu schaffen – und Fortschritt in die Region zu holen. Mit dem 3D-Betondruck-Projekt in Metzingen wollen wir bewusst alternative Bauweisen erproben – ressourcenschonend, effizient und zukunftsorientiert. Für uns ist das ein starkes Signal: Wir sind bereit, Verantwortung für die Zukunft des Bauens zu übernehmen."
Auf dem rund 3000 Quadratmeter großen Gelände in Metzingen entstehen insgesamt 44 moderne und nachhaltige Wohneinheiten, darunter 18 öffentlich geförderte und sechs barrierefrei zugängliche Wohnungen. Die Fertigstellung der drei Mehrfamilienhäuser ist für Mai 2026 vorgesehen.
Weitere Projekte mit dem 3D-Betondrucker sind bereits in Planung. Die Serviceleistungen sollen bald, vorbehaltlich der notwendigen kartellrechtlichen Genehmigungen, von einem Joint Venture zwischen Züblin und Instatiq namens NELCON angeboten werden.


