Autonome Lkw: Deutschland testet Level 4
ATLAS-L4 zieht erfolgreiche Bilanz
München (ABZ). – Nach drei Jahren ziehen die zwölf Projektpartner aus Industrie, Wissenschaft, Softwareentwicklung und Infrastruktur eine erfolgreiche Bilanz beim Forschungs- und Entwicklungsprojekt ATLAS-L4.

Zusammen erfolgreich: Vertreterinnen und Vertreter der zwölf Projektpartner des ATLAS-L4-Projektes bei der Abschlussveranstaltung in Penzing. MIt dabei waren Ernst Stöckl-Pukall (Leiter des Referats "Digitalisierung und Industrie 4.0" im Bundeswirtschaftsministerium, erste Reihe, 2. v. r.) und Georg Grüneißl (Leiter Produktstrategie und Planung MAN Truck & Bus, als Vertreter des Projekt-Konsortialführers, erste Reihe, M.). FOTO: MAN Truck & Bus
Der autonome Truck im Straßenverkehr wurde dank der Arbeit von rund 150 Ingenieuren Realität. Mehrere Unternehmen, darunter MAN Truck & Bus, Knorr-Bremse, Leoni, Bosch, Fernride, BTC Embedded Systems, Fraunhofer AISEC, die Technische Universität München, die Technische Universität Braunschweig, der Tüv Süd, die Autobahn GmbH und das Würzburger Institut für Verkehrswissenschaften (WIVW GmbH) haben dafür ihre Kräfte eingesetzt, um diese Idee Wirklichkeit werden zu lassen.
Das Konsortium hatte sich in dem vom Bundesministerium für Wirtschaft und Klimaschutz geförderten und mit einem Gesamtbudget von 59,1 Millionen Euro ausgestatteten Projekt ein klares Ziel gesetzt: einen Level-4-automatisierten und damit autonom fahrenden Lkw für den Hub-to-Hub-Transport auf die Schnellstraßen zu bringen. Basis dafür war das 2021 verabschiedete Gesetz, das autonomes Fahren auf fest definierten Strecken unter einer technischen Aufsicht grundsätzlich ermöglicht und Deutschland damit global in eine Vorreiterrolle bringt.
"Wir haben uns zusammen mit unseren Partnern das Ziel gesetzt und ein industrialisierbares Basiskonzept für autonomes Fahren im Hub-to-Hub-Einsatz verwirklicht. Die Entwicklung und Integration der für den sicheren Einsatz notwendigen redundanten Komponenten wie Lenkung, Bremse und Bordnetz sowie das Erstellen eines Validierungskonzeptes erforderte interdisziplinäre Kompetenz und enge Teamarbeit. Als Konsortium haben wir mit dem Projekt bewiesen: Autonom fahrende Lkw sind realisierbar", resümiert Dr. Frederik Zohm, Vorstand für Forschung und Entwicklung bei MAN Truck & Bus und ergänzt:
"Innovationen wie das autonome Fahren erfordern solche Kooperationen, um Zukunftstechnologie in Deutschland und Europa effektiv voranzubringen". Den Startschuss für das Projekt gab es am 1. Januar 2022. Nachdem das behördliche Kraftfahrt-Bundesamt im April 2024 die erste Level-4-Erprobungsgenehmigung für einen Nutzfahrzeughersteller erteilt hatte, fand die Premiere im öffentlichen Straßenverkehr mit der ersten Autobahnfahrt eines autonomen Lkw in Deutschland statt. Sogar der damalige Bundesverkehrsminister Volker Wissing war mit dabei. Bei dieser und allen weiteren Erprobungsfahrten musste immer ein Sicherheitsfahrer mit an Bord sein. Die Automatisierungs-Software im Fahrzeug wurde durch regelmäßige Releases kontinuierlich über einen langen Zeitraum hinweg optimiert und direkt in der Praxis erprobt.
Das Konsortium konnte an alle Projektziele einen Haken setzen: Die für die Level-4-Architektur sicherheitsrelevanten Komponenten wie redundantes Bremssystem, Bordnetz und Lenkung wurden aufgebaut. Ein Validierungskonzept wurde erstellt, parallel das Control Center für die technische Aufsicht in Betrieb genommen. Risikoanalysen und Safety-Betrachtungen für Level 4 – inklusive Cybersicherheit, etwa in Form von authentischer und verschlüsselter Kommunikation, sowie die Definition von funktionalen Sicherheitsmaßnahmen wie Redundanzen und Degradationskonzepten für das autonome Fahrsystem – wurden ebenfalls durchgeführt. Das Ergebnis: eine prototypische Technologie als Blaupause für mögliche weitere Projekte und sich dann anschließende Serienentwicklungen.
Die Arbeit von ATLAS-L4 könnte also als Basiskonzept für künftige industrielle Entwicklungen genutzt werden, wobei für einen autonomen Truck in Serie noch diverse Detailfragen in Deutschland natürlich geklärt werden müssen, die das Projekt aufgezeigt hat. "Wir haben wertvolle Pionierarbeit geleistet, indem wir für die technische Machbarkeit von autonomen Trucks den praktischen Nachweis erbracht haben", so Projektkoordinator Sebastian Völl, MAN Truck & Bus. "Diese Konzepte fließen nun in die weitere Entwicklungsarbeit zur Serienentwicklung von autonomen Lkw ein."
Denn Logistik 4.0 biete hier viel Potenzial: Fahrerlose Lkw als Teil einer Hub-to-Hub-Automatisierung für Pendelfahrten zwischen Logistikhöfen könnten einen wichtigen Beitrag zu mehr Effizienz sowie zur Vermeidung von Staus und Unfällen leisten. Auch für den Fahrermangel, an dem die Branche seit Jahren leide, bieten Automatisierungskonzepte einen Lösungsansatz. Schon heute fehlten in Deutschland etwa 100.000 Lkw-Fahrer.
Im Mai präsentierten die Projektbeteiligten etwa 200 Gästen im Beisein von Vertretern des Bundesministeriums für Wirtschaft und Klimaschutz die Ergebnisse von ATLAS-L4 – mit Fahrdemonstrationen auf dem Gelände des ADAC Testzentrums Mobilität in Penzing und auf der Autobahn, einer Ausstellung auf rund 1000 m² und wissenschaftlichen Fachvorträgen.


